E-International: Wie sieht das in der Praxis aus? - Interview mit Coach Robert Miebach

Robert Miebach, Coach und Projektkoordinator E-International, Lietz Internat Schloss Bieberstein

Robert Miebach, Coach und Projektkoordinator E-International

Während der Corona-Pandemie werden die Grenzen des Distanzunterrichts sichtbar. Bei E-International dauert dieser ein gesamtes Halbjahr. Kann das denn funktionieren?

"Wir machen das jetzt seit vier Jahren. Mit der Zeit lernt man, worauf es ankommt. Neben engagierten Lehrkräften und funktionierender Technik ist in besonderem Maße die Motivation der Schüler erfolgsentscheidend. Diese geht irgendwann verloren, wenn man nur einsam vor sich hinarbeitet. Bei E-International sind die Schüler zwar räumlich vom Lehrer getrennt, jedoch arbeiten und lernen sie gemeinsam in einer Gruppe mit festen Unterrichtszeiten. Sie können sich gegenseitig unterstützen und Probleme diskutieren, durch diese Interaktion entsteht eine positive Dynamik. Zusätzlich sind Schulfächer in Epochen eingeteilt, d.h. man hat ein Fach zwei Wochen am Stück täglich, jeden Tag insgesamt nur drei Fächer. Der Fokus auf nur wenige Fächer macht das Lernen sehr viel effektiver. Der Unterricht ist zwangsläufig recht schülerzentriert, dadurch lernen die Jugendlichen mit der Zeit eigenständiger und zielorientierter."

Welche Rolle kommt dabei dem Lehrer zu?

"Die Qualität des Unterrichts wird nach wie vor durch die Lehrkräfte bestimmt und davon, wie gut sie sich den neuen Gegebenheiten bei der Planung des Unterrichts anpassen. Die größte Herausforderung ist es, Unterrichtsmaterialien zu erstellen, die Schüler eigenständig bearbeiten können. Die Arbeitsaufträge sollten möglichst abwechslungsreich und interaktiv sein, sonst wird es schnell langweilig. Schüler merken es, ob Lehrer einfach nur kopierte Arbeitsblätter hochladen oder sich wirklich Mühe geben. Hat ein Lehrer kreative Ideen und passt sich den Bedürfnissen der Klasse an, so hat er die Schüler meist schnell an Bord. Nicht alles klappt auf Anhieb, besonders, wenn man mit verschiedenen Medien experimentiert. Wenn man sich davon nicht entmutigen lässt, können aber tolle Unterrichtseinheiten entstehen.

Essentiell ist die Kommunikation. Schüler brauchen individuelles Feedback und manchmal auch Anleitungen oder Erklärungen. Das ist zeitaufwendig, aber absolut notwendig. Einige unserer Lehrer vereinbaren regelmäßige Einzelsprechstunden mit Schülern, dadurch entstehen Verbindlichkeit und Vertrauen. So gewinnen Lehrer einen noch besseren Eindruck, welche Fortschritte die Klasse macht und ob der Unterricht angepasst werden muss. Oft machen Schüler auch konkrete Vorschläge, wie sie sich den Unterricht vorstellen."

Auf Videos und Fotos sieht man Schüler bei allen möglichen Aktivitäten, aber nicht unbedingt beim Unterricht, wo liegen die Prioritäten?

"Uns geht es in erster Linie um die Erfahrungen und Erlebnisse, die persönliche Entwicklung der Schüler. Dafür bieten die unterschiedlichen Reisen ein unglaubliches Potential, das wir selbstverständlich auch nutzen wollen. Hier liegen Sinn und der Zweck des Programms. Allerdings sind wir eine Schule und kein Reiseveranstalter. Unser Erfolg misst sich somit vorrangig an den schulischen Leistungen der Teilnehmer. Also muss beides Hand in Hand gehen. Die meisten unserer Aktivitäten haben klar definierte Bildungsziele. Oft sind sie Teil des Unterrichts oder ergänzen diesen um praktische Elemente. Oft geht es um neue Erfahrungen, fremde Kulturen und den Blick über den Tellerrand. Manchmal geht es auch einfach nur darum, Spaß zu haben. In jedem Fall helfen die außerschulischen Aktivitäten den Schülern, sich für den Unterricht zu motivieren. Montag bis Freitag haben die Jugendlichen täglich sechs Schulstunden Unterricht, die Abwechslung an Nachmittagen und Wochenenden tut allen sehr gut und unterstützt in vielerlei Hinsicht den Lernprozess."

Wo findet denn der Unterricht statt?

"Unterwegs werden die Unterkünfte so gewählt, dass wir einen Unterrichtsraum zur Verfügung haben. Dieser Raum ist selten ein richtiges Klassenzimmer, sondern eher ein Wohnzimmer in einem Ferienhaus, ein Tagungsraum in einem Hotel oder ein Gemeinschaftsraum in einer Lodge. Es gibt auch keine Tafel. Eigentlich brauchen wir nur einen Raum, wo wir in Ruhe an unseren iPads arbeiten können, das kann auch mal ein Café oder Restaurant sein. Im Laufe der Zeit nehmen die Schüler immer mehr Einfluss darauf, in welchem räumlichen und zeitlichen Rahmen der Unterricht stattfindet."

 

Link zum Konzept der internationalen E-Phase: E-International - Schule auf Reisen


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