Berufspraktikum

Willkommen in der Berufswelt!

Haben wir auch Pause? Wann darf ich auf die Toilette? Wird mir das frühe Aufstehen schwerfallen? Darf ich eine Jogginghose tragen oder reicht auch eine modische Jeans mit Löchern? Und ist der Tagesablauf im Berufsleben ganz anders als der im Lietz Internat Hohenwehrda?

Viele Fragen beschäftigten die Schülerinnen und Schüler aus dem Lietz Internat Hohenwehrda, bevor sie in ihre zweiwöchige Praktikumsphase fahren. Im Fachunterricht Arbeitslehre werden sie ausführlich und intensiv auf ihren zumeist ersten Kontakt mit der Arbeitswelt vorbereitet, mögliche Anforderungen des Arbeitgebers besprochen und die meisten Fragen beantwortet.

Modeunternehmen, Schreinerei, Kindergarten, Weinkellerei, Werkstätten für Kraftfahrzeuge und Fahrräder, Fachhandel für Alteisen, Ärzte, Steuerberater, Rechtsanwalt und Radiosender - auf die Schüler warten während der Praktikumsphase viele Herausforderungen.

Nachfolgend erhalten Sie einen Einblick in die Praktika der Schülerinnen und Schüler im Februar 2020.

Texte und Bilder: Martin Batzel


Lisa Hashemian in der Praxis von Dr. Susanne Passat in Büdingen - Empathie ist wichtig

Das Handy liegt in der Küche, und da bleibt es während der Arbeitszeit. Das gilt für Mitarbeiter und für Praktikanten auch. Die Regel ist nicht festgeschrieben, sondern für Dr. Susanne Passat eine Frage des Respekts im Umgang mit Patienten. "Telefonieren zwischendurch ja, aber kein Handy am Arbeitsplatz. Das ist unser erstes Gesetz."

Für Lisa Hashemian, Schülerin der Klasse 9 G am Lietz Internat Hohenwehrda, ist der zeitweise Verzicht auf neue Nachrichten, Facebook, Instagram und andere Messenger kein Problem. "Beschäftigung gibt es in der Praxis genug. Die Zeit wird nicht lang." Blutproben beschriften, Infusionen aufbauen; Patienten während der Zeit in der Praxis betreuen; beobachten, wie ein EKG funktioniert. Zuschauen und lernen eben. Dr. Passat, Allgemeinmedizinerin mit Praxis in Büdingen, lobt die Praktikantin: "Lisa bleibt gerne länger, sie interessiert sich sehr für unsere Arbeit. Sie bringt viel Empathie mit und hört zu; das ist besonders bei älteren Menschen wichtig."

Lisa kann sich heute schon vorstellen, später einen medizinischen Beruf zu erlernen. Aber die 15jährige erlebt während ihrer Zeit in der Praxis auch Momente, die sie zum Nachdenken bringen. Sie erlebt, dass der Tod zum Leben gehört. Das erfährt sie besonders bei Hausbesuchen von schwerkranken Menschen in Senioren- und Pflegeheimen. "Das sind emotional sehr schwierige Momente, die mich sicherlich weit über die Praktikumszeit hinaus noch beschäftigen werden."


Donja Jafari bei "Merck" in Darmstadt - Alles auf Englisch

Donja ist eine unter fast 9.000 Mitarbeitern im Stammwerk in Darmstadt und doch bekommt sie das Gefühl, auch als Praktikant ein ernstgenommener Teil des Weltunternehmens mit 50.000 Mitarbeitern weltweit zu sein. Die Schülerin der Klasse 9 des Lietz Internats Hohenwehrda fühlt sich wohl beim Weltunternehmen Merck. Die Anfänge des ältesten pharmazeutisch-chemischen Unternehmens der Welt reichen bis ins Jahr 1668.

Donja Jafari steht für ihr Schülerpraktikum jeden Tag um kurz nach sechs auf, reist von Frankfurt nach Darmstadt zum Stammsitz, Arbeitsende selten vor 15 Uhr. 90 Minuten später ist sie erst wieder daheim in Frankfurt-Sachsenhausen. Dann muss sie noch das Praktikumsheft ausfüllen und sich auf die fällige Präsentation vor ihren Mitschülern in der Schule vorbereiten. Das ist viel Aufwand, den sie gerne betreibt.

"Bei Merck arbeiten so viele Nationalitäten friedlich und freundlich zusammen. Die Stimmung ist professionell, die Geschäftssprache Englisch." Das ist nur anfangs ungewöhnlich für die Schülerin, die sich schnell an die neuen Umstände gewöhnt: "Donja fragt nach, versteht auch in den Meetings und bei den Laborarbeiten alles, ist sehr engagiert und interessiert. Daher können wir sie eng einbinden in die Prozesse", lobt Birikiti Kidane, Mitarbeiterin im Labor bei Merck, deren Wurzeln in Eritrea liegen und die Donja betreut. Natürlich nur in englischer Sprache.

Mathe, Physik, Biologie, Englisch gut, Chemie sehr gut. Donjas Noten passen zu ihrem Berufswunsch, zu Tumoren forschen zu wollen. Das Praktikum hat ihr aber für die kommende Schulzeit auch neue Anreize vermittelt: "Mich in den genannten Fächern weiter zu verbessern, denn sie sind besonders wichtig für die Berufsperspektive."


Haris Holzmann in der Kindertagesstätte "St. Bonifaz" - Jogginghosen erlaubt

Haris fühlt sich noch nicht bereit für die Berufswelt. Während des Praktikums in der Kindertagesstätte St. Bonifaz in Nürnberg hat er trotzdem viel Spaß, auch wenn der Schritt von der 8. Klasse im Lietz Internat Hohenwehrda zum Beruf des Erziehers noch sehr groß ist. Bei den Kindern kommt Haris gut an, er holt sie von der Schule ab, plant mit ihnen die freie Zeit, spielt besonders gerne mit ihnen Fußball; nach und nach gewöhnt er sich an seine neue Rolle und Vorbildfunktion. Fußballspielen ist schön, aber alles zu seiner Zeit. Pünktlich sammelt Haris die Kinder ein zur Hausaufgabenzeit. Für ihn ist dies die anstrengendste Phase des Arbeitstages. "Man muss Geduld haben. Aber der Unterricht in Hohenwehrda ist härter. Außerdem darf ich während des Praktikums Jogginghosen tragen." Klarer Punkt für St. Bonifaz.

Julia Hacker kennt Haris schon aus seiner Zeit als Kind in der Tagesstätte. "Jetzt haben wir ihn in groß und freuen uns über seine Unterstützung." Die Erzieherin in der KiTa St. Bonifaz freut sich über die Entwicklung, die sie bei Haris während des Praktikums bemerkte: "In den zwei Wochen ist viel mit ihm und seiner Persönlichkeit passiert."


Benjamin Schwarz bei "Taunus Fahrzeug Service" - Männerdomäne mit Humor

Hier darf gelacht werden, der Ton ist vielleicht manchmal rau, jedoch meist herzlich. Christine Minör bringt's auf den Punkt: "Ist halt immer noch eine Männerdomäne. Warum und wie Wimpern verlängert werden, ist hier egal", sagt die Buchhalterin von Taunus Fahrzeug Service in Bad Camberg und beschreibt ganz gut, was einen Praktikanten erwartet.

Benjamin Schwarz, Schüler der Klasse 9 R des Lietz Internats Hohenwehrda, kann damit umgehen. Ruhig hört er den Erklärungen zu, wie man deformierte Seitenteile eines Kleinbusses mit viel Vorsicht, noch mehr Fingerspitzengefühl und Feinmechanik ausbeult. Der Test, nur mit den Fingerkuppen drüber zu streichen, genügt nicht. Durch die natürliche Feuchte der Finger bleiben feinste Unebenheiten unerkannt. Ein wenig Staub auf den Finger gibt gleich ein anderes Gefühl.

Carl Schäfer, Inhaber der Werkstatt für Karosseriebau, Lackierarbeiten, Unfallinstandsetzung und Kfz-Reparatur, erklärt geduldig, mit Humor und freut sich über Interesse von Frauen an Berufen rund um Kraftfahrzeuge. "Warum denn nicht?" 17 Mitarbeiter sind im Betrieb beschäftigt, darunter vier Frauen, eine lernt Lackiererin. "Wir sind ein großer Kleinbetrieb", sagt Schäfer - mit erst 35 Jahren ein junger Chef. Er ist Kfz-Meister, Karosserie-Meister und Betriebswirt. Mindestens einen ordentlichen Abschluss der mittleren Reife erwartet er von Bewerbern. Mathe muss sein. "Wenn jemand in dem Fach schlecht ist, ist er im Kfz-Gewerbe nicht gut aufgehoben."

Benjamin interessiert die Arbeit. "Reizt mich schon, mal schauen. Das viele Stehen aber strengt an."


Paul Nester (Radio Gong) und Leandro Staderini (Radio Charivari) im "Funkhaus Nürnberg" - Spannendes Radio regional

Die größte Schwierigkeit bei einer Umfrage: "Dass die Menschen, wenn man ihnen ein Mikrofon vorhält, nicht um einen herumgehen." Paul Nester aus der Klasse 9 R des Lietz Internats Hohenwehrda lernt während seines Praktikums bei Radio Gong in Nürnberg die Schwierigkeiten eines Radioreporters kennen. "Sabbatjahr - was würden Sie damit anfangen?" heißt das Thema. Im Winter kann die Aufgabe mühsam sein, die Menschen sind in Eile; Regen, Kälte und Wind treiben sie an. Umfragen im Sommer bei Sonne und warmen Temperaturen sind leichter, die Stimmung lockerer, die Zeichen stehen auf Entspannung. "Wenn die Leute erst auf den Parkbänken sitzen...", weiß Peter Halm, Redaktionsleiter von Radio Charivari. Hier hört Leandro Staderini, Schüler der Klasse 9 G im Lietz Internat Hohenwehrda, ins Radiogeschäft rein.

Wie Radio Gong gehört Charivari zum Funkhaus Nürnberg. 100 Mitarbeiter produzieren das Programm von fünf regionalen Radiosendern mit unterschiedlichen Zielgruppen: 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag. Die offen und freundlich gestalteten Büros der Sender liegen auf einem Flur, getrennt von Pflanzen, kleinen Regalen, Schränken und Schreibtischen. Paul schreibt Meldungen für die "Rockminute" für Radio Gong. 60 Sekunden Zeit für drei Nachrichten. Kurz und kompakt muss es sein. Auch das ist eine Kunst im Journalismus.

Fünf Meter und zwei Ecken weiter sitzt Leandro konzentriert vor seinem PC und recherchiert zu den Geburtstagen bekannter Sänger im nächsten Monat. Er arbeitet den Redakteuren zu, seine Art kommt gut an. "Aber noch duzt er uns, das irritiert ein wenig. Bekommen wir aber noch hin", sagt Moderatorin Jenny Jung.


Carlos Schlitt bei "Tom & Sally's" - "Ocean Royal" steht hoch im Kurs

Shrimps, Thunfisch, Croutons, Ei, Schnittlauch, Cherrytomaten und dazu eine Orangen-Senf-Vinaigrette - fertig ist Carlos' Lieblingssalat, die Kreation "Ocean Royal". Aber vor dem Salat steht die Arbeit: Petersilie zupfen, Minze rupfen, Tomaten schneiden.

Der Job in der Küche ist hart, fängt um fünf Uhr an. Praktikant Carlos Schlitt beginnt später, erst um 06.30 Uhr. Das sind aber immer noch 90 Minuten früher als sein Unterricht in der Klasse 9 G im Lietz Internat Hohenwehrda startet. Trotzdem sagt Carlos über sein Praktikum in der Salatbar "Tom & Sally's" in Wiesbaden: "Es gefällt mir gut, fordert Kraft und Geduld." Und halt auch frühes Aufstehen. Dafür ist auch zeitig Feierabend.

Am frühen Nachmittag schließt das Geschäft im Winter, die Salate im Laden sind abverkauft, die Bestellungen an Firmen im Raum Darmstadt, Wiesbaden, Mainz und Hofheim längst ausgeliefert. Privatkunden werden mit dem Heimservice nicht beliefert. Gehört zum Unternehmenskonzept. Die Zielgruppe sind Endverbraucher, "die gesunden Salat wollen und keine Kost aus der Unternehmenskantine", sagt Storemanagerin Julia Schultz-Engelhard.


Marius Bingenheimer bei "Schreinerei Berges" in Dexheim - Holz lebt

Erst mal schauen. Marius geht vorsichtig an die neuen Aufgaben heran, die ihm sein Praktikum bietet. Zum ersten Außentermin bei der Schreinerei Berges in Dexheim fährt er nur ein Dorf weiter. In einer Kirche sollen Schränkchen für Gebetsbücher eingepasst und montiert werden. Keine große Baustelle, doch auch hier gilt: sorgfältig arbeiten, gewissenhaft aufräumen, keinen Schmutz hinterlassen. Marius Bingenheimer aus der Klasse 9 R des Lietz Internats Hohenwehrda macht einen guten Eindruck. Ob der Beruf des Schreiners für seine Zukunftsplanung taugt, hat er für sich noch nicht abschließend entschieden.

Aber die Praktikumsphase kann dabei sicherlich helfen. Sie gehört ebenso wie Berufsberatungen im Lietz Internat Hohenwehrda durch Fachkräfte der Agentur für Arbeit und der traditionelle Berufsinformationstag (Samstag, 23. Mai 2020), bei dem Eltern und Lietz-Freunde ihre Berufe und Lebenswege vorstellen, zu den Schwerpunkten des Bereichs "Arbeit & Beruf".

Würde Firmeninhaber Reinhold Berges seinen Beruf vorstellen, würde er mit den unterschiedlichen Herausforderungen werben. Neben der Arbeit als Schreiner kümmert er sich auch um 120 bis 150 Bestattungen pro Jahr, organisiert Trauerfeiern, erledigt Formalitäten, kleidet die Toten ein und bereitet sie auf den letzten Weg vor. Auf überraschte Nachfragen antwortet er: "Früher war das nicht ungewöhnlich, dass der Schreiner sich auch um die Bestattungen im Ort kümmert." Auf dem Dorf ist die Tradition geblieben, in der Stadt entwickelten sich die Berufe anders.

Bestattungen sind eine Tätigkeit, die nicht jedem liegt, die sehr viel Pietät verlangt, aber zum Portfolio seines 120 Jahre alten Unternehmens ebenso gehört wie die einbruchssichere Tür, die Montage von Rollläden oder auch die Tisch-Dekoration für daheim. Was muss ein Auszubildender mitbringen für den Schreinerberuf? Gute Noten sind für Reinhold Berges weniger wichtig, Verständnis für Maße und Mathe müssen aber  vorhanden sein. "Und Spaß an der Arbeit mit Holz. Metall ist hart und kalt. Holz lebt und macht den Schreinerberuf lebendig."


Elias Zeidler bei der "mp group GmbH" - Zwischen Grillzange und Computer

Sie heißt "Hyper-Ulti-Mega-Super-Nitro-Coole Webseite" und die Wahrscheinlichkeit, dass sie unter diesem Namen jemals online geht, liegt unter null. Nicht weiter schlimm, die Seite ist eine Spielwiese, auf der sich Elias Zeidler austoben kann. Der Schüler der 8. Klasse tauscht für zwei Wochen den Stuhl im Klassenraum des Lietz Internats Hohenwehrda mit dem Bürosessel der "mp group GmbH" in Hanau.

Lust am Computer muss man mitbringen, die Bereitschaft am ständigen Lernen und Fortschritt sowie Interesse für Handys. Mathe muss nicht das Lieblingsfach sein, hilft aber schon. Computer-Zocker brauchen eigentlich nicht anfragen. Webseiten bauen, externe Webseiten warten, Web-Entwicklung mit Apps und Cloudlösungen - das gehört zu den Aufgaben der 16 Mitarbeiter. Homeoffice ist problemlos möglich, im Büro gibt es Gleitzeit. Elias Zeidler gefällt's: "Ich möchte Informatiker werden."

Die Mitarbeiter sind fokussiert und konzentriert, die Stimmung ist trotzdem entspannt. Man duzt sich. Der Kaffeeautomat heißt Kai-Uwe und wird geführt unter der Bezeichnung "Motivator". Fast täglich wird auf dem Balkon gegrillt, auch Praktikant Elias Zeidler muss an die Zange. Der Grill heißt "Günther". Er ist der dritte seiner Art, seine Vorgänger kamen an ihre Kapazitätsgrenze. Um das Beschwerdemanagement kümmert sich Büro-Hund Ailo von der Schächtelburg.

Was muss passieren, dass in diesen Räumen der Puls hochgeht? Web-Entwickler Tobias Fleckenstein fasst mit einem Wort zusammen: "Serverausfall!"


Alessandro Chessa in der Kindertagesstätte "Am Breul" - Mund abwischen, Krönchen basteln

Was es zum Mittagessen gab, ist leicht zu erraten. Ein wenig davon hängt noch in den Mundwinkeln, die Farbe Rot deutet auf ein Gericht mit Tomatensauce hin. Alessandro zeigt den Kindern gerne, wie man die Spuren im Gesicht beseitigt, bevor der Nachtisch auf die Teller kommt. In mundgerecht geschnittene kleine Stücke werden die Äpfel serviert, die Teller vorsichtig weitergereicht. Jeder erhält ein Stückchen, und manche Kinder auch zwei. Aber nur, wenn der Mund schon leer ist und alle versorgt sind. Es gibt immer jemanden in der Gruppe, der auf fairen Umgang achtet. Abgeräumt wird auch selbstständig. Jeder bringt seinen Teller weg, erst dann wird gespielt. Grundlagenübungen für später.

Stifte spitzen, Krönchen basteln, Bauklötze stapeln, helfen beim Puzzeln, Malen und Anziehen für den Spaziergang. Alessandro Chessa, Schüler der 8. Klasse im Lietz Internat Hohenwehrda, fühlt sich wohl, erledigt seine Aufgaben souverän und ruhig. Er absolviert sein Berufspraktikum in der städtischen Kindertagesstätte "Am Breul" in Karben. Seine Zwischenbilanz: Laut kann's sein und anstrengend. "Immer hängen mindestens zwei Kinder an mir, aber es macht viel Spaß."

Patricia Suffner, Erzieherin in der Kindertagesstätte, nennt als Grundausstattung für die erfolgreiche Arbeit in dem Beruf ein "starkes Nervenkostüm". Die Tagesstätte "Am Breul" ist neu, das Konzept sieht viel Raum und Platz für die Kinder vor. Das ist wörtlich zu verstehen; angenehm luftig und nicht überfrachtet sind die Räume ausgestattet.

Ebenso wörtlich kann der Satz verstanden werden: "Hier ist man sehr nahe beim Menschen." Das gilt auch für die Gruppe der kleinsten Besucher, der unter Dreijährigen. Hier müssen auch mal die Windeln gewechselt werden. Als Praktikant, der zwei Wochen mitarbeitet, bleibt Alessandro das erspart. Jahrespraktikanten auf dem Weg zur Erzieherausbildung kommen daran aber nicht vorbei.


Vivien Herold in der "Anwaltskanzlei Bott" - erst die Akte, dann zu Gericht

Der erste Tag bei Gericht ist interessant - er macht Vivien Herold auch später noch nachdenklich. Das Schicksal der Klägerin wirkt nach. Angeklagt ist der ... (Datenschutz) ... Den Besuch bei Gericht bereitet die Schülerin der 8. Klasse des Lietz Internats Hohenwehrda mit ausführlichem Lesen der Akte vor. Durch das Aktenstudium erkennt Vivien, "was zum Teil Auslöser für Taten ist, was die Menschen getrieben hat".

Ihr Praktikum absolviert sie in der Kanzlei von Klaus-Michael Bott, Fachanwalt für Strafrecht, in Frankfurt. Doris Bott, Büroleiterin der Kanzlei, wirbt für die Berufe im Justizwesen. "Justizfachangestellte beispielsweise ist ein sehr interessanter, vielseitiger Beruf." Sie appelliert an Schulen, Basiswissen zu trainieren: "Wie schreibe ich einen Geschäftsbrief, wo stehen Absender und Empfänger, wohin klebe ich die Briefmarken?" Vivien weiß das: Sie hatte das Thema in Hohenwehrda im Deutschunterricht.


Nico Wellbrock bei "Eisen Thomas" - Wenn die Füße schmerzen...

Ein Kleinod mit einer großen Auswahl in einer kleinen Stadt - hier absolviert Nico Wellbrock sein Praktikum. Das Warenangebot von "Eisen Thomas" in Münster bei Dieburg ist umfassend. "Vielleicht nicht so groß wie in einem Baumarkt", erklärt Praktikant Nico, "aber hier bekommt man auch alles rund um Haushalt, Garten und Eisenwaren. Es ist wie in einem Baumarkt, nur eben kleiner."

Das Unternehmen, gegründet vor 72 Jahren von Franz Thomas unter den schwierigen Bedingungen der Nachkriegszeit, hält sich am Markt und ernährt vier Mitarbeiter. Heute führt Beate Haas, Tochter des Gründers, die Geschäfte, spürt die Konkurrenz, sagt aber: "Wir können uns nicht beklagen. Mundpropaganda hilft uns sehr." In vier, fünf Jahren wird entschieden, wenn die heute Sechzigjährige ihren Ruhestand plant, ob das Familienunternehmen weitergeführt wird. "Der Abverkauf würde zwei, drei Jahre dauern."

Nico Wellbrock würde bedauern, wenn das Geschäft geschlossen würde. Er schätzt, was einen großen Teil des Erfolgs ausmacht: den persönlichen Kontakt zum Menschen. Ein Job im Büro wäre nichts für ihn, da hat sich Nico schon festgelegt. Seine Praktika auf dem Bauernhof, im Bereich Maschinenbau und soziales Arbeiten haben ihm bei der Entscheidung geholfen.

Und was bereitet Praktikanten die größten Schwierigkeiten? Beate Haas: "Das lange Stehen sind die jungen Menschen nicht mehr gewohnt." Was kann man dagegen tun? Nico hat einen Rat: "Sich hinsetzen. Aber nur, wenn kein Kunde im Geschäft ist."


Vincent Engels bei "Wein & Gut" - "Schule ist anstrengender"

Vincent hat Glück, der Einsatz in den Weinbergen wird um einen Tag verschoben. Im knietiefen Morast nach einem Mix aus Schneeschauern und Starkregen am Tag zuvor hätte die Arbeit wenig Spaß gemacht. Aber auch bei Sonnenschein kostet die Arbeit an den Hängen Kraft. Rebschnitt, Rodung, Ausrichten von Mauern, Etikettieren der Flaschen, Abfüllen, Verkostung - die Arbeit und Aufgaben eines Winzers sind vielseitig. Das Fazit von Vincent Engels lautet: "Schule ist anstrengender."

Der Achtklässler des Lietz Internats Hohenwehrda absolviert sein Schulpraktikum bei "Wein & Gut" in Großheubach, einem Weinbau-Familienbetrieb im Odenwald mit 6,5 Hektar Anbaufläche. "Für unsere Region gilt das als mittel bis groß, im Rheingau wäre es ein kleiner Betrieb", sagt Inhaber Lothar Straub.

Vincent Engels kann sich vorstellen, den Beruf des Winzers zu lernen. Festlegen möchte er sich jetzt noch nicht. Für das nächste Berufspraktikum hat er jetzt schon klare Vorstellungen. Er will zur Polizei.


Luca Leiner in der St. Hedwig-Schule - Wiedersehen nach sieben Jahren

Viel hat sich nicht verändert. Die Tische sind gleich, die Stühle auch. Die Gestaltung der Wände vielleicht ist neu, weil neue Klassen mit neuen Schülern kamen. Auch die Couch wurde ausgetauscht. Aber sonst? "Sonst hat sich wenig verändert", sagt Luca Leiner, der sein Praktikum in der Grundschule absolviert, in der auch er Lesen, Schreiben und Rechnen lernte.

Heute - sieben Jahre nach seiner Zeit als Erstklässler - ist er gefragt bei den jungen Schülern: "Luca, kannst du mir mal zeigen, wie das geht?"

Seine Betreuerin, die Grundschullehrerin Susette Schuster, seit 30 Jahren an der St. Hedwig-Schule in Kitzingen, freut sich über das Wiedersehen mit Luca, der die 8. Klasse des Lietz Internats Hohenwehrda besucht. Auch ihn betreute die Lehrerin während seiner Grundschulzeit und erinnert sich gerne daran. "Luca war ein angenehmer Schüler."

Für den Praktikanten Luca ist die Rückkehr an seine ehemalige Grundschule "ein komisches Gefühl. Aber es macht Spaß, den Kindern Mathe und Deutsch beizubringen." Anstrengend ist es auch: "Man hat immer mindestens zwei um sich herum, die Fragen stellen und Unterstützung möchten."

Schon in der Grundschule wird Basiswissen im Umgang mit dem Computer vermittelt. Luca findet das gut, zeigt den Schülern auch, wie man eine Power-Point-Präsentation erstellt. "Bei mir gab es das noch nicht. Eigentlich schade."


Marvin Hackspiel bei "heger.IT-Solutions" - Mensch sagt, Computer macht

"Das ist so schön am Computer - er macht, was man ihm sagt." Michael Heger, Geschäftsführer von heger.IT-Solutions, ist begeistert von seiner Arbeit. Und diese Begeisterung gibt er weiter - egal ob an Mitarbeiter oder Praktikanten.

Marvin Hackspiel, Schüler am Lietz Internat Hohenwehrda, freut sich auf die zwei Wochen beim IT-Dienstleister in Hann. Münden und ist sich sicher: "Ich werde auf Menschen treffen, die mich verstehen, die wissen wie es ist, wenn man sich gerne mit Computern und Informationstechnologie beschäftigt."

Computer und auch PC-Spiele gehören zu den Hobbies des Hohenwehrdaner Schülers, der die Klasse 8 besucht. Zwei Wochen lang wird Marvin über "die Schulter schauen", so beschreibt Geschäftsführer Heger, was den 14-Jährigen erwartet, der die Zusage zum Praktikum nach einem Probetag vor einigen Wochen erhielt.

Dann wird Marvin erleben wie es ist, als Spezialist für IT-Service, Sicherheit, Infrastruktur und Cloud Computing gefragt und gefordert zu sein und ist sich sicher: "Die zwei Wochen werden spannend für mich."


Sabine Hasenjaeger 
Internats- und Schulleiterin

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