ZIELE
Die Freude am Lernen ist die Voraussetzung für ein lebenslanges Lernen. Die Hermann-Lietz-Schulen setzen sich deshalb zum Ziel, bei ihren Schülerinnen und Schülern die Freude am Lernen zu wecken und zu fördern. Die Hermann-Lietz-Schulen befinden sich in einem Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne: In diesem Sinne verstehen sich die Schulen als „Heime des Lernens“, die Geborgenheit bieten, gleichzeitig Leistungswillen fördern und sich Veränderungen stellen.
Die Hermann-Lietz-Schulen unterstützen ihre Schülerinnen und Schüler darin, ganzheitlich zu denken, verantwortungsbewußt zu handeln und Zukunft mutig zu gestalten. Dabei bilden Erziehung zu sozialem Engagement und Eintreten für das Gemeinwohl wichtige Grundsätze. Unterricht, Erziehung und Gemeinschaftsleben an Hermann-Lietz-Schulen zielen auf ein tolerantes Miteinander und orientieren sich an einem humanistischen Bildungsziel auf der Basis einer freiheitlich demokratischen Ordnung.
HEIMBÜRGER, MITARBEITER, FÜHRUNGSPRINZIPIEN, RECHTSFORM
HEIMBÜRGER
Alle an den Hermann-Lietz-Schulen lebenden und tätigen Schüler und Mitarbeiter sind Heimbürger und somit Gestalter des Heim- und Schullebens.
MITARBEITER
Die Mitarbeiter identifizieren sich mit den Zielen der Hermann-Lietz-Schulen. Daher übernehmen die Hermann-Lietz-Schulen für sie eine besondere Fürsorgepflicht. Mitarbeiter benötigen neben ihrer fachlichen Qualifikation besondere Fähigkeiten in erzieherischer und zwischenmenschlicher Hinsicht. Dazu gehört eine ständige und systematische Weiterbildung.
FÜHRUNGSPRINZIPIEN
Die Führungsprinzipien der Stiftung sind durch Kooperation und menschliche Wertschätzung gekennzeichnet.
RECHTSFORM
Die Stiftung Deutsche Landerziehungsheime Hermann-Lietz-Schulen ist eine Stiftung des privaten Rechts. Das bedeutet, dass die Hermann-Lietz-Schulen nicht gewinnorientiert arbeitet, sondern alle wirtschaftlichen Erträge in die Verbesserung der pädagogischen Arbeit fließen.
WEGE
ZUSAMMENLEBEN IN FAMILIEN
Jeweils 8-12 Schüler leben mit ihren Lehrern in Internatsfamilien zusammen. Hier Iernen unterschiedliche Altersstufen partnerschaftlich und respektvoll miteinander umzugehen. Gemeinsam werden Konfliktsituationen und Alltagsprobleme bewältigt; jeder Internatsbürger lernt seine individuellen und sozialen Fähigkeiten zu erkennen und entwickelt sie sinnbringend, um so sein Leben selbstbestimmt zu gestalten. In Zusammenarbeit mit den Eltern unterstützen die Mitarbeiter diesen Entwicklungsprozess mit viel Zuwendung und zugleich der gebotenen Distanz. Ihre erzieherische Arbeit beruht auf Vertrauen, Toleranz und der Vorbildfunktion des Älteren.
LEBEN IM EINKLANG MIT DER NATUR
Von großem Wert ist auch heute noch die von Hermann Lietz bewusst gewählte Lage der Schulen auf dem Lande. In einer schnelllebigen und konsumorientierten Zeit bietet diese Insellage den Internatsbürgern die Möglichkeit, aus der Natur Ruhe zu schöpfen und ein ökologisches Bewusstsein zu entwickeln. Dabei lernen sie nachhaltig mit natürlichen Ressourcen umzugehen. Die bewußte Reduzierung schärft den Blick für das Wesentliche und eine gesunde Lebensweise.
GESUNDE LEBENSWEISE
In den Schulen wird eine Lebensweise praktiziert, die die Grundlage für körperliche und geistige Gesundheit bietet. Hierzu gehört eine gesunde Ernährung und ein verantwortungsvoller Umgang mit Genussmitteln. Ziel ist die Harmonie von Körper, Geist und Seele.
VERNETZUNG DER LERNFELDER
Zukunftsorientiertes Lernen auf der Grundlage der Lietz‘schen Ideen bedeutet die Verzahnung von schulischem Unterricht, außerunterrichtlichem Lernen, Gilden, Kapellen und praktischer Arbeit. An Hermann-Lietz-Schulen erhalten Schüler Lernangebote und Unterstützung nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen; sie beteiligen sich aktiv am Herstellen von Lernsituationen und werden in kleinen Lerngruppen gefördert. Auch auf diese Weise wird der Anspruch, Freude am Lernen und gleichzeitig Leistungswillen zu fördern, eingelöst.
DAS SCHULISCHE LERNEN
Die Hermann-Lietz-Schulen verfügen über ein umfassendes Bildungsangebot in den Bereichen Grund-, Haupt-, Real-, Fachoberschule sowie Gymnasium und ermöglichen entsprechende staatlich anerkannte Abschlüsse. Die Schulen vermitteln über das fachliche Wissen hinaus auch Kenntnisse um Hintergründe, Ursachen und Wirkung sowie wirtschaftliche und soziale Zusammenhänge. Neue Medien werden als interaktive und innovative Lernsysteme eingesetzt. In der Oberstufe bieten die Hermann-Lietz-Schulen neben der allgemeinen Bildung besondere Profile: Leistungskurs Wirtschaftswissenschaften in Bieberstein, Fachoberschulabschlüsse in den Bereichen Sozialwesen in Hohenwehrda, Informationstechnik oder Wirtschaft/Verwaltung in Haubinda.
MUSIK UND KUNST
In den Hermann-Lietz-Schulen ist die künstlerisch-musische Erziehung ein wichtiger Bereich. Die Schülerinnen und Schüler entwickeln hier die Lust am kreativen Gestalten und stärken das Selbstvertrauen in die eigenen schöpferischen Kräfte. Gleichzeitig werden sinnliche Wahrnehmung und Erlebnisfähigkeit geweckt.
VIELSEITIGES SPORTANGEBOT
Sport bietet den erforderlichen körperlichen Ausgleich zu geistiger und sozialer Anstrengung. Sportliche Aktivität vermittelt Freude an der Bewegung und stärkt den Leistungswillen und das Gefühl für die individuelle Leistungsfähigkeit. Fairness, Teamgeist, Disziplin und Gesundheit stehen im Mittelpunkt von Sport. Deshalb halten alle drei Hermann-Lietz-Schulen ein umfangreiches und vielseitiges Sportangebot bereit.
GILDEN, PRAKTISCHE ARBEIT UND SOZIALES ENGAGEMENT
Anwendungsorientiertes Lernen und die praktische Umsetzung eigener Kreativität erleben die Schülerinnen und Schüler in einem umfangreichen Angebot von Arbeitsgemeinschaften, den „Gilden“. Sie tragen diesen Namen, weil hier handwerkliche Leistung und Talente gefördert werden. In der „Praktischen Arbeit“ lernt jeder Einzelne der Gemeinschaft Nutzen zu stiften und übernimmt verlässlich alle anfallenden Arbeiten in seinem Lebensraum. Um das humanitäre Denken und Handeln zu fördern, engagieren sich die Schülerinnen und Schüler traditionell sowohl im direkten sozialen Umfeld als auch in entfernteren Regionen.
„KAPELLEN“ UND ERZIEHUNG ZU WELTOFFENHEIT
Die einmal wöchentlich stattfindenden Kapellen sind Forum für musisch-kulturelle und wirtschaftlich-politische Bildung, pflegen das gesellschaftliche Leben der Heime und fördern kommunikative Fähigkeiten. Die Entwicklungen in der Welt machen deutlich, dass soziales Denken und Handeln globale Bedeutung haben. Das Verständnis für unterschiedliche Kultur- und Lebenskreise sowie für politische, wirtschaftliche und soziale Zusammenhänge ist an Hermann-Lietz-Schulen ein zentrales Anliegen. Dieses wird in den regelmäßigen „Biebersteiner Gesprächen“ aufgenommen.
Exkursionen im ln- und Ausland sowie Zusammenarbeit und Austausch im Rahmen internationaler Institutionen und Unternehmen sind weitere Wege, Brücken in alle Welt zu schlagen.
Was ist die Lietz-Pädagogik? Die Grundprinzipien
Die Reformpädagogik nach Hermann Lietz verbindet schulisches Lernen mit persönlicher Entwicklung und gemeinschaftlichem Leben. Als Weiterentwicklung der klassischen Landerziehungsheim-Idee steht sie für eine ganzheitliche Bildung, die weit über den Unterricht hinausgeht.
Im Mittelpunkt steht die Überzeugung, dass junge Menschen am besten lernen, wenn Kopf, Herz und Hand gleichermaßen angesprochen werden.
Kopf, Herz und Hand – was bedeutet das konkret?
Dieses Leitprinzip prägt den gesamten Schulalltag an den Hermann-Lietz-Schulen:
- Kopf (intellektuelles Lernen): fundierter Unterricht in kleinen Lerngruppen, individuelle Förderung und moderne Lernmethoden
- Herz (soziale und emotionale Entwicklung): Leben in der Internatsfamilie, Übernahme von Verantwortung und gelebte Gemeinschaft
- Hand (praktisches Lernen): Gilden, handwerkliche Tätigkeiten, Projekte und praktische Arbeit als fester Bestandteil des Alltags
So entsteht eine ganzheitliche Bildung, die Wissen, Persönlichkeit und praktische Fähigkeiten miteinander verbindet.
Warum Landerziehungsheim? Die Bedeutung der ländlichen Lage
Die bewusste Lage der Hermann-Lietz-Schulen im ländlichen Raum ist ein zentrales Element der Pädagogik. Fernab von Hektik und Reizüberflutung entsteht ein Umfeld, das Konzentration und persönliche Entwicklung fördert.
- Entschleunigung: Klare Strukturen und eine ruhige Umgebung schaffen Raum für fokussiertes Lernen.
- Naturerfahrung: Der Alltag in und mit der Natur stärkt Wahrnehmung, Verantwortung und Ausgleich.
- Nachhaltigkeit: Der bewusste Umgang mit Ressourcen wird praktisch erlebt und verinnerlicht.
Die Landerziehungsheime bieten damit ideale Bedingungen für nachhaltiges Lernen und Leben im Einklang mit der Umwelt.
Gemeinschaft statt Anonymität: Das Internatsfamilienprinzip
Ein wesentliches Merkmal der Hermann-Lietz-Schulen ist das Leben in Internatsfamilien. Kleine Gruppen von Schülern leben gemeinsam mit pädagogischen Fachkräften, den sogenannten Familieneltern.
- Überschaubare Gruppen: 8–12 Schüler bilden eine feste Gemeinschaft.
- Verlässliche Bezugspersonen: Familieneltern begleiten den Alltag eng und individuell.
- Soziales Lernen: Rücksichtnahme, Verantwortung und Konfliktlösung werden täglich gelebt.
Diese familiäre Struktur schafft Geborgenheit und stärkt die persönliche Entwicklung jedes Einzelnen.
Demokratie leben: Schülerpartizipation
Demokratisches Handeln ist fester Bestandteil des Internatslebens. Schüler gestalten ihren Alltag aktiv mit und übernehmen Verantwortung für die Gemeinschaft.
- Schülerparlamente: Mitbestimmung bei wichtigen Themen des Schul- und Internatslebens
- Schulstaat Haubinda: ein einzigartiges Modell gelebter Demokratie im Schulalltag
- Ämter und Aufgaben: Verantwortung in verschiedenen Bereichen stärkt Selbstständigkeit und Engagement
So wird Demokratie nicht nur vermittelt, sondern im Alltag erfahrbar gemacht.
Tradition und Moderne: Lietz-Pädagogik im 21. Jahrhundert
Die Hermann-Lietz-Schulen verbinden die Werte der Reformpädagogik mit den Anforderungen einer modernen Welt. Tradition und Innovation gehen dabei Hand in Hand.
- Digitalisierung: Einsatz moderner Medien zur Unterstützung individueller Lernprozesse
- Wirtschaftliche Orientierung: praxisnahe Inhalte und Profile bereiten auf Studium und Beruf vor
- Internationalität: Austauschprogramme und internationale Schüler bereichern das Schulleben
So bleibt die Lietz-Pädagogik lebendig und zukunftsorientiert – als starke Verbindung aus bewährten Prinzipien und neuen Impulsen in einer Landschaft voller Möglichkeiten.