Wanderausstellung „Vorbilder – Friedensstifter“ in Haubinda

Wanderausstellung „Vorbilder – Friedensstiftende“ in Haubinda

Mutbürger statt Wutbürger
Nicht wegschauen oder selbstgefällig zurücklehnen, sondern Einfluss nehmen, diskutieren, Werte verteidigen und handeln. „Wir brauchen Mutbürger, keine Wutbürger“, brachte es Dr. Andreas Jantowski, auf einen einfachen Nenner und appellierte an die Handlungsmacht des Einzelnen. Der Direktor des Thillm (Thüringer Instituts für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien) war am Donnerstag (21.02.2019) im Lietz Internatsdorf Haubinda der Festredner bei der Eröffnung der Wanderausstellung  „Vorbilder – Friedensstifter.“ Das Projekt, initiiert und organisiert von der Mittelstands-Akademie Made in Germany, wird unterstützt von Thillm, der Thüringer Ehrenamtsstiftung, sowie dem einzigen in Thüringen ansässigen internationalen Kinderhilfswerk „Ourchild e. V., der Maria-Pawlowna-Gesellschaft e. V. und der Deutschen Stiftung Meditation.

„Ich hoffe ihr zwingt Eure Klassenlehrer mit Euch über die Ausstellung und Eure Vorbilder zu reden“, so die Aufforderung von Internats- und Schulleiter Burkhard Werner an seine Schüler bei der Begrüßung der Ausstellungs-Eröffnung. Angesichts der Spannungen bei der Sicherheitskonferenz in München, Aufkündigung des Abrüstungsvertrages, zahlreicher Krisenherde weltweit sowie einer drohenden Klimaveränderung, nannte es Schulleiter Burkhard ermutigend - mit Blick auf die Freitagsdemonstrationen von Schülern - dass junge Leute sich zu Wort melden, sich für ihre Zukunft engagieren. In der Rückschau auf seine Schullaufbahn in Römhild bekannte Werner: „Wir bekamen von den Lehrern gesagt, wer unsere Vorbilder sind.“ Und er fügte hinzu: "Ich schwärmte für die Sportler – insbesondere  die Leichtathleten."

Mit der Ausstellung, die in den nächsten sechs Monaten in Haubinda zu sehen ist, will die Schule Impulse für Schüler und Besucher setzen, sich auf die Suche nach den ganz persönlichen Vorbildern zu begeben. Mit Kurz-Porträts 12 historischer Persönlichkeiten wie Albert Schweitzer, Friedrich Schiller, Edith Stein, Anne Frank, Stéphane Hessel, Gustav Stresemann und Gandhi werden Menschen vorgestellt, die sich eingesetzt haben für Gerechtigkeit, Frieden, Freiheit, religiöse Toleranz und Hilfe für Bedürftige. Gleichzeitig besteht für die Besucher die Möglichkeit, sich aktiv einzubringen, sich mit ihren porträtierten Vorbildern an der Ausstellung zu beteiligen und sie mit Wortmeldungen zu ergänzen.

Festredner Dr. Andreas Jantowski rief dazu auf: „Nicht wundern, sondern kümmern!“. Gleichzeitig bedauerte er den schwindenden Anstand im Umgang miteinander und stellte klar: “Anstand ist anstrengend“. Exemplarisch bezog er sich auf Stéphane Hessel und dessen Streitschrift „Empört Euch“. Darin ruft der ehemalige französische Widerstandskämpfer, KZ-Überlebende und spätere UN-Diplomat zum friedlichen Widerstand gegen die Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft auf. Gegen die Diktatur des Finanzkapitalismus, gegen die Unterdrückung von Minderheiten, gegen die ökologische Zerstörung unseres Planeten. Jantowski mahnte zugleich Widerstand nicht als Legitimation zu nutzen, wie es bei Gewaltausschreitungen 2017 beim G-20 Gipfel im Hamburger Schanzenviertel vorkam.

Er vertrat weiterhin die Auffassung, dass wir als Zivilbevölkerung aufgerufen sind, Veränderungen zu fordern. „Freiheit und Frieden sind wie flüchtige Rehe und man bemerkt sie erst, wenn sie nicht mehr da sind“, so das Credo des Festredners. Die Friedenspädagogik lehre nicht wie man Konflikten ausweicht, sondern wie man sich ihnen stellt. Gleichzeitig warnte er vor einfachen Lösungen: „Kulturen lassen sich nicht in Vorgaben pressen, müssen diskutiert und hinterfragt werden. Bei Songtexten am Rande von Gewaltverherrlichungen helfen keine Verbote. Stattdessen muss in der Schule darüber offen diskutiert und hinterfragt werden.“ Im gleichen Atemzug stellte der Festredner die Frage, ob die starke Ausprägung der Individualität in den vergangenen Jahren möglicherweise zu Lasten des Gemeinschaftssinns gegangen sei.

Dirk Lindner, 1. Beigeordneter des Landkreises Hildburghausen, berichtete in seiner Grußrede von seiner Sozialisation in der ehemaligen DDR, die das Thema Frieden als Hauptziel ausgegeben hatte.  „Die morgendliche Begrüßung lautete Frieden und Sozialismus – gleichzeitig war es die Zeit des Kalten Krieges und des Wettrüstens.“ Nach dem friedlichen Widerstand mutiger Menschen und der Wiedervereinigung dachte Lindner, Krieg würde es nie mehr geben. Inzwischen hegt er Zweifel und fragt: „Stehen wir vor einem neuen Wettrüsten?“ Aufgrund dieser Fragestellung folgerte er: „Wir haben Friedensstifter weiterhin notwendig.“

Dr. Volker Düssel, der Vorsitzende der Thüringer Ehrenamtsstiftung, betonte die Bedeutung des Ehrenamtes und lobte das Engagement der 850.000 Ehrenämtler in Thüringen: „Ohne ihre Arbeit würde spätestens nach drei Tagen Chaos in Thüringen herrschen.“ Gleichzeitig lobte er das Engagement der mittelständischen Unternehmen und der Hermann-Lietz-Schule Haubinda, die – wie mit dieser Wanderausstellung - immer wieder den Dialog mit den Heranwachsenden anbieten und suchen. Er forderte die Schüler auf, sich für ein Ehrenamt-Zertifikat zu bemühen, denn bei Bewerbungen signalisiere solch ein Zertifikat, dass der Inhaber nicht nur auf der Schulbank gesessen hat, sondern auch Eigenschaften wie Teamfähigkeit und  Sozialkompetenz erworben hat.

Nach der offiziellen Eröffnung lud Ernst Haberland, Präsident und Gründungsinitiator der Mittelstandsakademie Made in Germany, zum Besuch der Wanderausstellung ein. Neben dem Eintrag ins Gästebuch und anregenden Gesprächen, waren die Haubindaner Schüler schnell im Diskussionsprozess. Sie  beteiligten sich aktiv mit Wortbeiträgen und schriftlichen Ausführungen zu ihren Vorbildern, wobei neben Sportlern und Künstlern auch Unternehmer wie Steve Jobs und Politiker wie Barack Obama aufgeführt wurden.


Text &  Bilder: Volker Kilgus

Wanderausstellung „Vorbilder – Friedensstiftende“ in Haubinda
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