UNSERE ABITURIENTEN 2012

26 Absolventen nehmen auf Schloss Bieberstein ihre Abiturzeugnisse entgegen
 
Emotionen und humorvolle Bilanz
 
Ein emotionaler Abschied zum Abschluss der Schulzeit: Familien aus ganz Deutschland waren kürzlich auf Schloss Bieberstein zusammen gekommen, um das bestandene Abitur gemeinsam mit ihrem Nachwuchs zu feiern. „Aus Kindern werden Persönlichkeiten“, so brachte es Jochem Serrand, Elternvertreter des Jahrgangs auf den Punkt. Den feierlichen Teil der Verabschiedung und Zeugnisübergabe hatte musikalisch Tony Osanah, Musiklehrer auf Schloss Bieberstein eröffnet. Schulleiter Helmut Liersch wies in seiner Rede auf die „neue“ Freiheit hin, die nun allen Absolventen den Raum gebe, auf der einen Seite eigene Entscheidungen zu treffen, andererseits jedoch auch zukünftig ein großes Maß an Verantwortung mit sich bringe. Der Schulleiter bedankte sich für die gemeinsame Zeit mit den Schülern und wünschte für den weiteren Lebensweg: „Auf dem Weg zur Reifeprüfung konnten wir Euch unterstützen, indem wir Euch sowohl gefördert als auch gefordert haben. Nun steht euch die Welt offen – macht was draus! Zeigt Mut, Anstrengung und Engagement.“

Gruppenfoto der Abiturienten

1. Reihe (v.l.):

Immo Ströher Villa, Jannis Stepputtis, Kira Fleckenstein, Isabel Tanner, Julia Knoell, Julia Wimmer, Paolina Kellner, Sebastian Kühner, Timothy Friedrich

2. Reihe (v.l.):

Philipp Rübelmann, Alexander Kümmerer, Sebastian Serrand, Maximilian Kern, Michel Weghaus, Franz- Ludwig Uhl, Karl Kniep, Tobias Stieghorst, Stephan Schmitt, Philip Beckmann

3. Reihe (v.l.):

Moritz Ott, Niklas Häffner, Maximilian Schick, Georg Kerstan, Stephan Handtmann, Dominik Hartogs, Vinzenz von Eickstedt, Songji Yu (nicht abgebildet)


Abituransprache 2012

Liebe Abiturientinnen und Abiturienten,
liebe Eltern, Verwandte und Freunde dieser jungen Menschen,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
 
zu dem Thema meiner diesjährigen Ansprache bin ich durch zwei Menschen gekommen, durch Max Schick und durch Herrn Kellner, der als glücklicher Vater später noch ein paar Worte an Sie richten wird.
Der Max hat das Thema – Freiheit! – stets und ständig mit mir diskutiert: Beim Essen, als Schülervertreter, als Argumentator in eigener Sache und als freudvoller Diskutant in jeglicher Hinsicht.
Herr Kellner hat mir das Büchlein „Freiheit“ von Joachim Gauck zum Geschenk gemacht – und durch ihn angeregt wird es nun jeder Absolvent, jede Absolventin mit auf den weiteren Lebensweg bekommen – nur der Max nicht, der weiß schon alles über dieses Thema. Der Max bekommt das Buch von Ralf Koerrenz über Hermann Lietz, da kann er noch etwas lernen...
 
Freiheit!
Das ist ein großes Wort … vielleicht aber sogar lange unterschätzt in deutschen Landen.
Unsere Nation konnte sie sich nicht so recht erstreiten, 1848 nur begrenzt, nach dem ersten Weltkrieg ging sie bald verloren im braunen Sumpf – so kam sie eher als ein unverhofftes Geschenk nach dem zweiten Weltkrieg. Und leider kann man Geschenke oft nicht so sehr schätzen, wie das, was man sich mühevoll erarbeitet oder erkämpft hat.
Die Liebe zur Freiheit ist ganz unterschiedlich ausgeprägt. Joachim Gauck zitiert Heinrich Heine:
„Der Engländer liebt die Freiheit wie sein rechtmäßiges Weib. Er besitzt sie, und wenn er sie auch nicht mit absoluter Zärtlichkeit behandelt, so weiß er sie doch im Notfall wie ein Mann zu verteidigen.
Der Franzose liebt die Freiheit wie seine erwählte Braut. Er wirft sich ihr zu Füßen mit den überspanntesten Beteuerungen. Er schlägt sich für sie auf Tod und Leben. Er begeht für sie tausenderlei Torheiten.
Der Deutsche liebt die Freiheit wie seine Großmutter.“
 
Da sage ich: Das muss nicht das Schlechteste sein. Die Liebe zur Großmutter ist hier vielleicht die, die am Dauerhaftesten ist, und oft sehr, sehr tief, von großer Dankbarkeit geprägt. Denn die Liebe der Großmütter ist oft mindestens ebenso selbstlos und natürlich wie die der Mütter.
 
Heine lebte nun aber deutlich vor dem Jahre 1989… und so konnte er nicht wissen, noch ahnen, dass es doch wenigstens einen nicht unerheblichen Teil des deutschen Volkes geben würde, das sich die Freiheit erkämpft – und dies auch noch in einem sehr friedfertigen Kampf! Die DDR-Bürger kämpften für ihre wunderschöne Braut – und wir durften Hochzeitsgäste sein, die dann – so gehört sich das – natürlich auch Geschenke mitbringen.
 
Freiheit ist dabei nicht nur die Freiheit von etwas, z.B. einer Diktatur oder dem Zwang, pünktlich beim Essen zu sein.
Freiheit ist vielmehr die Freiheit zu etwas, nämlich etwas tun zu können ohne dass die Zukunft vorherbestimmt ist. Leben ist kein Schicksal, wenn dieses auch manchmal Schläge verteilt - es liegt in unseren Händen, etwas darin und daraus zu bauen.
Gleichzeitig ist Freiheit nicht ohne Verantwortung zu denken.
Wenn ich frei bin, etwas zu tun oder zu lassen - auch wie ich es tue –, dann bin ich für mein Handeln verantwortlich und kann diese Verantwortung nicht an höhere Mächte (und seien es nur Lehrer oder Eltern) delegieren.
 
Mit der Freiheit und mit der Verantwortung, die diese mit sich bringt, kann die „reife Persönlichkeit“ gut umgehen, die unreife, nach Erich Fromm „autoritäre Persönlichkeit“ nicht. Unser Ziel hier in Bieberstein war und ist es, die Abiturientinnen und Abiturienten auf dem Weg zur reifen Persönlichkeit zu unterstützen, zu fördern und sie auch zu fordern, auf dass sie ihre Reifeprüfung bestehen mögen, die eine hier, die Abitur hieß, und noch viel mehr die vor Euch liegenden Prüfungen, die das Leben noch bereithält.
Wir glauben, das ist gelungen und es wird Euch gelingen. Ein Abiturient hat uns schon während der mündlichen Prüfung erläutert, dass er (ich sage: inzwischen) definitiv eine reife Persönlichkeit sei. Und ich glaube, der Georg könnte damit richtig liegen.
 
Die Freiheit nach dem Leben im Internat dürft Ihr nun durchaus als etwas Gegebenes freudig hinnehmen. Vergesst aber nicht: Im wirklichen Leben gilt es immer wieder Mut, Anstrengung und Engagement zu zeigen, um für sich – und für andere! – Freiheitsrechte zu sichern und auch zu erkämpfen.
Bedenkt dabei: Eure persönliche Freiheit muss da begrenzt sein, wo sie die Freiheit der anderen deutlich stört – und sei es nur die Freiheit lärmender Musik aus basslastigen Lautsprechern…
 
Am Ende will ich es noch einmal deutlich sagen – und dazu nutzt man gern die Naturwissenschaft:
In der Physik bezeichnet der „Freiheitsgrad“ die Möglichkeiten des Körpers Bewegungen im Raum auszuführen.
Nach dem Abitur, nach dem Internat und ohne Wehr- oder Ersatzdienst steht Euch im Prinzip die ganze Welt offen. Diesen Freiheitsgrad werdet ihr im Leben kaum je wieder erreichen können – Ihr solltet ihn nutzen.
 
Die Zukunft ist prinzipiell physikalisch nicht determiniert, sie ist offen!
 
Die Welt steht Euch offen.
 
Macht ´was draus!!
 
Helmut Liersch

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