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Die steinernen Gesichter von Bieberstein

Des Rätsels Lösung!

Es gibt tatsächlich noch Menschen, die sich ihrer erinnern. Die steinernen Gesichter Biebersteins haben wieder einen Namen: Wilhelm Fitzner. Frau Bertelsmann, die Gattin unseres legendären Kunsterziehers, Angelika Zollmann, die auf Bieberstein geboren wurde und Peter Groh (Bu 1950- 52, Bie 1952- 55) brachten uns auf die richtige Spur. Auch Hildegard Scheffer, Tochter des Lehrerehepaares Nehrkorn, trug zur Aufklärung des Sachverhaltes bei. Diese Gesichter schmückten einstmals die steinerne Umrandung des Ballspielplatzes, der 1996 der neuen Sporthalle gewichen ist.

Es war Anfang der fünfziger Jahre. Es war die Zeit, als unser unvergessener „Vati Pü“, Sport- und Englischlehrer Pülz, auf Bieberstein wirkte, als die Künstlerfamilie Loviscach im Burggrabenhaus residierte, dort, wo heute Rudi Kaiser zu Hause ist, als das B-Heim noch nicht existierte und Peter Groh in der Heimfamilie Töllner war. Zu dieser Zeit wurde der Fußballplatz auf die die heutigen Maße erweitert. Da nach der geltenden Lietztradition nur das nötigste an Material und Fachwissen eingekauft wurde, hatten die Schüler Lore um Lore an Abraum zu schaufeln. Dieser Abraum wurde, nach der Erinnerung Peter Grohs,  zum Teil dorthin gekippt, wo der Ballspielplatz entstehen sollte. Dies war Teil der Maurergilde bzw. Sportplatzgilde, wie sie genannt wurde. Dabei fanden sich etliche Steinblöcke, die vom Leiter der Metallgilde, Herr Fitzner, der in Hofbieber ansässig war, aussortiert wurden. Diese Blöcke wurden im Burggraben gelagert und dort, wo heute das Holz lagert, zu kleinen Kunstwerken behauen, einer Arbeit, die, so die Auskunft Peter Grohs, weitgehend von Herrn Fitzner ausgeführt und von etlichen Schülern unterstützt wurde. Anschließend wurden die steinernen Gesichter in die Umrandung des Ballspielplatzes eingearbeitet. Dort blieben sie lange Jahre, bis schließlich die Sporthalle in den neunziger Jahren gebaut wurde und die Steine auf Initiative einiger Altbürger und des damaligen Archivars Pülz nicht weggeworfen, sondern im Burggraben gelagert wurden.

Erst bei der Neugestaltung des Buswendeplatzes vor der Sporthalle wurden sie wieder entdeckt, eingefügt und sind nun wieder zu sehen. Aber wieder dauerte es dreizehn Jahre, bis der derzeitige Sportlehrer Lange auf sie aufmerksam wurde und nachzuforschen begann, wer sich denn noch an die Herkunft dieser Gesichter erinnern könnte. Ein kleines Rätsel unserer Geschichte ist gelöst und es bleibt zu hoffen, dass der geneigte Leser beim nächsten Besuch auf dem Bieberstein einmal auf dem Platz vor der Sporthalle vorbeischaut und diesen erstaunlichen Kunstwerken seine Referenz erweist.

Reiner Lange

Wiederentdeckt: Die steinernen Gesichter von Bieberstein

Die Zeit im Landerziehungsheim kann für ein ganzes Menschenleben prägen, weil sie so intensiv und komprimiert ist. Aber eben weil es so viele Ereignisse in nur wenigen Jahren gibt, verschwinden viele davon in der Vergangenheit als hätte es sie nie gegeben. Nur die unmittelbar Beteiligten erinnern sich nach einiger Zeit noch daran, was genau passiert ist. Manchmal aber hinterlassen die Ereignisse Spuren in vielfältiger Form, die von den nachfolgenden Generationen noch gelesen werden können, wenn man genau hinschaut und natürlich, wenn noch jemand da ist, der die ursprünglichen Ereignisse miterlebt oder sogar mitgestaltet hat. So auch im Fall der steinernen Gesichter. Unter den Steinblöcken, die im Burggraben gelagert sind, um irgendwann einmal bei einem Bauprojekt wieder verwendet zu werden, sind etliche, die noch erkennbare Gesichtszüge tragen. Einige davon sind in der Mauer am Buswendeplatz vor der Sporthalle eingearbeitet. Nur wenn man ganz genau hinschaut sind die verwitterten Antlitze noch zu erkennen und die meisten Menschen gehen achtlos an ihnen vorbei. Dies muss jedoch einmal eine aufwändige künstlerische Aktion gewesen sein. Wer mag diese Kunstwerke geschaffen haben? Es könnte zur Zeit des legendären B-mann gewesen sein, aber nach heutiger Meinung trägt diese Aktion nicht die Handschrift von Klaus Bertelsmann. Gibt es noch jemanden in der Lietzgemeinde, der sich daran erinnert, zu welcher Gelegenheit und zu welchem Zweck diese Gesichter geschaffen wurden, so möge sie oder er sich doch in Bieberstein melden und die ganze Geschichte erzählen.

Reiner Lange