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High Seas High School 2008/2009 - Das segelnde Klassenzimmer

Hier sind Fotos von der Ankunft am 02.05.09 in Hamburg-Harburg zu sehen.

Ankunft HH-Harbg.
Hafenidylle
Die "Crew" der Hermann Lietz-Schule Schloss Bieberstein
Abschied
Die "Johann Smidt" und die
"Astrid"
High Seas High School
Die Crew der Johann Smidt
Traumhafte Karibik
"Merry Christmas" auf Martinique
Fabian Wilk
Unter Deck
Niklas Berger
Im "Dschungel" von Costa Rica
Havanna
Fabian Wilk
Mit seemänischem Blick
Johannes Sand
Fabian Wilk
Sonnenuntergang in der Karibik

Plus est en vous – Navigare necesse est:

High Seas High School 2008/2009  

Die zwei Segelschiffe „Johann Smidt” und die „Astrid” segelten mit ihren Besatzungen von jeweils 24 (JS) und 18 Schülern (A) in Richtung Karibik. Die Reise begann am 18. August 2008 im Hamburger Hafen, wo sich die Schüler von ihren Eltern für die 198 Tage lange Reise verabschiedeten. Die „Johann Smidt“ verließ den Hafen; für die Schüler der „Astrid“ stand ein Bus bereit, der sie zu ihrem „neuen segelnden Zuhause“ in Spanien bringen sollte.  

Seegang 

„Aufstehen, Sophia! Du hast in einer halben Stunde Wache!“ Das ist der Standardsatz, mit dem man jeden Morgen aus der Koje geholt wird. Während der Generator brummt, das Wasser an der Bordwand plätschert und alles schwankt, steigt man dann mehr- manchmal auch weniger motiviert aus den Federn. „Wache gehen“ muss jeder Schüler täglich acht Stunden lang. Ich hatte zum Beispiel lange die 8–12 Wache. Das heißt, dass ich vormittags und nachts von jeweils acht bis zwölf Uhr auf dem Achterdeck sein muss mit fünf anderen Schülern. Ich war echt erstaunt, als ich gehört habe, dass manche Leute denken, wir würden nachts den Anker werfen und schlafen gehen. Das ist natürlich nicht der Fall; nachts muss genauso „Wache gegangen“ werden, wie auch tagsüber. „Rudergehen“ ist dann angesagt, Segel setzen  und -bergen, und stündlich muss man die Position in der Karte eintragen, den Maschinenraum checken und selbstverständlich wird sehr gewissenhaft Ausguck gehalten.  

Acht Stunden am Tag ist viel Zeit … und ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass mir die Wachen immer Spaß gemacht haben. Aber wenn sich Delphine vor dem Bug tummeln, oder nachts, durch das Aufwühlen des Meerwassers, tausende von unsichtbaren Minialgen elektrisiert werden und es aussieht, als würde man mit dem Schiff auf einer Wolke aus Sternen entlang schweben, dann zahlt sich das alles aus.

Abgesehen davon gibt es dann auch noch so etwas wie Unterricht vier Stunden am Tag. Alle paar Tage ist man mit „Backschaft“ dran, „Reinschiff“ muss täglich gemacht werden und zwischendurch essen und schlafen wir auch noch irgendwie. 

Auch Backschaft zu haben, also für ca. 30 Leute an Bord zu kochen, Brot zu backen und abzuspülen, hat seine Vor- und Nachteile. Ein riesiger Vorteil ist zum Beispiel, dass in der Kombüse der einzige Ort ist, an dem auf See laut Musik gehört werden darf. Während aber die Lasagne im Ofen hin- und herrutscht und den Käse überall verteilt, im Kühlschrank die Milch umkippt und alles vollsaut, die Suppe auf dem Herd überschwappt und man Schüsseln, Teller und Tassen mit Topflappen fixieren muss, dass deren Herumgescheppere einem nicht den letzten Nerv raubt, muss auf die allgemein gute Laune gezählt werden, um einen solchen Backschaftstag zu überstehen. Und das konnte man immer – denn man kam gar nicht umhin, einfach alles mit Humor zu nehmen.

Ob das jetzt die Tatsache war, dass für drei Tage nicht geduscht werden kann, dass das Kartoffelpüree wegen Milchmangels nur mit Wasser angerührt wird, oder dass einem beim Frühstück wegen dem Geschwanke zum dritten Mal das Marmeladenmesser auf den Schoß fällt, war dann gleich. 

Auch wenn wir auf See immer die bevorstehenden Landaufenthalte herbeigesehnt haben, wäre die Zeit auf dem Schiff mit all den unglaublichen, anstrengenden, lustigen, unvergesslichen und vor allem wunderschönen Erlebnissen niemals wegzudenken. 

Wer jemals nachts bei sternenklarem Himmel am Ruder eines Großseglers unter Segeln gestanden hat, oder von der Mastspitze aus bis zum Horizont geblickt hat, wo das kristallklare Blau des Meeres in das azur­farbene des Himmels übergeht, kann sich vielleicht vorstellen, was ich meine.    

Sophia Scheuring, Schülerin in BIE 

Landgang 

Nach ein paar Tagen auf See ohne „Seebeine”, während derer man sich vor Seekrankheit kaum noch aus der „Koje“ traute, freuten wir uns doch sehr darauf, das erste Mal wieder an Land zu sein. Helgoland sollte der erste Hafen sein. Kaum dort angekommen, traf uns die „Landkrankheit“. Diese verging allerdings schneller als die Seekrankheit. Beide Krankheiten verschwinden übrigens allmählich mit der Gewohnheit auf See oder Land zu sein, – also kein Grund zur Sorge. Nach ein paar Tagen auf Helgoland machten wir noch einen Stopp in Holland. Daraufhin segelten wir durch den englischen Kanal und legten einen Halt in Frankreich ein. Nach einer sehr windstillen Überfahrt erreichten wir die Kanaren. Die erste Pause hatten wir auf La Palma, wo wir kurz schwimmen gingen. Direkt ging es weiter nach Madeira, dort besichtigten wir den Botanischen Garten. Im Anschluss feierten wir noch einen Abend auf Gran Canaria: Am Strand sitzen, Gitarre spielen, singen, Bier trinken und Chips essen. Auf Teneriffa hatten wir ein lang erwartetes Wiedersehen mit der „Astrid“-Crew. Gemeinsam bestiegen wir den Teide, was den Gruppenzusammenhalt enorm steigern sollte. Nach einer Woche auf Teneriffa folgten drei Wochen Atlantik. Man stelle sich vor, dass das nächste Land auf dem Weg nach Costa Rica 5000 Meilen unter einem liege … Nach den besagten drei Wochen auf See kamen wir nun endlich in Porto Limon, Costa Rica an. Wir blieben ein paar Tage, gingen allerdings selten an Land, da die Sicherheitslage zu wünschen übrig ließ. Nach drei Tagen fuhren wir in die Hauptstadt San José. Dort schliefen wir eine Woche in einer Gastfamilie. Ich z.B. ging mit drei anderen in die Familie eines Computertechnikers. Nach so langer Zeit war es wirklich etwas merkwürdig, wieder unter Menschen zu sein. Man sucht natürlich erst einmal den Trethebel neben der Toilette, um zu spülen. Den gibt’s natürlich nicht. 

Die Leute dort sind um einiges ärmer als hier zu Lande, viele müssen meist den ganzen Tag über arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Es ging uns aber dennoch sehr gut, da man auch das Wenige mit uns teilte. Auch mit der Verständigung klappte es, vor allem deswegen, weil wir auf unserem „segelnden Zuhause“ Spanisch gelernt und außerdem eine Woche lang in San José eine Sprachschule besucht hatten. 

Wir waren zu viert in der Gastfamilie. Dort wohnten alle Familienmitglieder zusammen: Oma, Opa Don Juan (das Familienoberhaupt), Mutter, Vater und die drei Kinder, die wegen uns auf der Couch im Wohnzimmer schlafen mussten. Nach einer Woche begannen unsere Expeditionen, die wir selber in Gruppen geplant hatten. Meine Gruppe z.B. fuhr mit dem Bus zum Vulkan „Arenal“, wo wir uns die Lavaströme und den Regenwald ansahen, sowie in heißen Quellen baden gingen. Am nächsten Tag setzten wir die Reise an die Pazifikküste fort, um surfen zu gehen. Nachdem die Woche geendet hatte, trafen wir uns in San José wieder, um in einer Finca in Wellblechhütten zu leben und bei der Zuckerrohr- und Kaffeeernte zu helfen. Dort servierte mir meine Gastmutter am ersten Abend einen Hahnenkopf. Guten Appetit! 

Nach Costa Rica folgte Belize, wo wir in einem Jaguarreservat den Dschungel erkundeten, unter Wasserfällen schwammen und die Einheimischen kennen lernen durften. Unser nächstes Ziel war Halfmoon Caye, eine verlassene, unter Naturschutz stehende Insel östlich von Belize, auf der wir in Hängematten schliefen, uns die Sonne auf den Pelz brennen ließen und im Blue Hole tauchen gingen. Fluch der Karibik pur! 

Nach Belize folgte Cubas Hauptstadt Havanna. Die ersten drei Tage verbrachten wir in einer sehr ländlichen Gegend in einem Hotel. Wir besuchten ein Internat, wurden von den Schülern und Lehrern mit einem eigens für uns einstudierten Begrüßungstanz empfangen. Im Anschluss fuhren wir wieder nach Havanna, wo wir Ché Guevaras und Ernest Hemingways Haus, wie auch die Plaza National besichtigten. Außerdem waren wir in einer Deutschen Schule, in der wir uns mit den Schülern anfreundeten und mit diesen die Stadt kennen lernten. Über die Hälfte unserer Reise war nun zu Ende und man merkte, dass es jetzt wieder Richtung Heimat ging. Wir segelten zu den Bahamas, zu den Bermudas und weiter zu den Azoren. Am 02. Mai nahm eine wunderschöne Zeit ihr Ende und wir alle liefen gesund und munter wieder in Hamburg ein. 

Niklas Plein, Schüler in BIE