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Lietz-Bildungsjahr

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Bildungsjahr -
statt Turboabitur nach acht Gymnasialjahren.

Nicht jeder Schüler ist dem hohen Lerntempo der verkürzten Gymnasialzeit gewachsen. Das Internat Schloss Bieberstein bietet Schülern durch ein zusätzliches Bildungsjahr die Möglichkeit, ein Jahr später Abitur zu machen

Die Verkürzung der Gymnasialzeit – sukzessive in allen Bundesländern eingeführt – bringt nicht für alle Schüler eine positive Veränderung. Vor allem sehr früh eingeschulte Jugendliche, aber auch Schüler, die nach einem qualifizierenden Realschulabschluss ihr Abitur machen möchten, sind den zeitlich knappen Anforderungen der Gymnasien oft nicht gewachsen. Denn der Tribut an das Abitur nach nur acht Gymnasialjahren heißt für viele Kinder in der Praxis: Lernstress, hastiges Einpauken des Unterrichtsstoffes von Klausur zu Klausur und das Ausbleiben von echten, positiven Lernerfolgen. „Ich gebrauche für diese Form des schnellen, nur auf den Augenblick der Prüfung ausgerichteten Lernprozesses die Bezeichnung bulimisches Lernen“, schmunzelt Helmut Liersch, Leiter des Internates Schloss Bieberstein, das zum Verbund der Lietz-Schulen gehört. „Manche Schüler kommen damit klar, für den Moment zu lernen und danach das ganze Wissen wieder zu vergessen, andere scheitern an diesem System.“

Für diese Schüler, die mehr Zeit auf dem Weg zum Abitur brauchen, Lerninhalte aus der Mittelstufe noch vertiefen wollen oder für die Oberstufe und die folgende Berufswahl noch älter und reifer werden sollen, hat das hessische Internat ein Bildungsjahr ins Leben gerufen, das zum Schuljahr 2010/ 11 startet. „Nach dem Einstieg in die Einführungsphase der Oberstufe, bei uns E1 genannt, beginnt dann zum Halbjahr das Bildungsjahr“, erläutert Liersch. „In sechs verschiedenen Unterrichtsblöcken vertiefen die Schüler ihr Wissen, lernen aber auch neue kulturelle, soziale und sportliche Angebote und Herausforderungen kennen oder erweitern ihre Sprachkenntnisse durch einen Auslandsaufenthalt.“

Prägend für das Bildungsjahr ist die Konzentration auf eine bestimmte Thematik über einen längeren Zeitraum. So wird der Unterrichtsstoff vertieft, verstanden und auch später noch erinnert und korrekt angewandt.

 

Schloss Bieberstein ist nicht die einzige Schule, die eine selbst gewählte Verlängerung der Schulzeit ermöglicht. Zusammen mit der Hermann Lietz-Schule auf Spiekeroog bietet das Internat seinen Schülern an, auf dem klassischen Schoner „Johan Smid“ als segelndes Klassenzimmer ein halbes Jahr im Rahmen der 10. Klasse zur See zu fahren. Diese Zeit an Bord dient den Jugendlichen vor allem zur Stärkung der Eigenverantwortung und lehrt sie ein soziales Miteinander auf engstem Raum. „Erst nach der Rückkehr der Kinder entscheiden wir, ob sie die zehnte Klasse noch einmal komplett durchlaufen oder nach einem halben Jahr in die elfte Klasse vorrücken“, verdeutlicht Dr. Hartwig Henke, Leiter des Internats der Nordseeinsel.