Biebersteiner Konzertreisen

Nigel Kennedy, Sunwook Kim und Barenboim

Zum Auftakt unserer diesjährigen Konzertreisen hatte Mathilde Luxenburger ein sehr ungewöhnliches Event ausgewählt. Die „Vier Jahreszeiten“ von Vivaldi kennt jeder Schüler, zumindest einige Motive. Aber das bekannteste Stück der Programmmusik, dessen ungewöhnliche Interpretation den englischen „Geigenpunk“ vor Jahren bekannt gemacht hat, wurde vom ihm inzwischen einer „Antwort“ gewürdigt.

Inspiriert von Vivaldi hat Nigel Kennedy sich den vier Elementen zugewendet und Erde, Feuer, Wasser und Luft samt Ouvertüre und „Underture“, wie er es nennt, in Klänge gefasst. Dazu ergänzte er die klassische Besetzung um Rock- und Jazzmusiker und trat dem erstaunten Publikum mit Schlagzeug, Percussion, Vibraphon, Sängern und Bläsern entgegen.  Dazu verfremdete er den Klang seiner Geige elektronisch und spaltete das Publikum in Skeptiker und Fans.
Auch die Biebersteiner SchülerInnen zeigten sich eher irritiert und waren auf den zweiten Teil des Konzertes gespannt. Aber auch hier blieb Kennedy seinem Ruf treu. Er brachte nicht die klassische Version der „Vier Jahreszeiten“ zu Gehör, sondern den „ Kennedy re-write“, indem er wiederum sein gesamtes Ensemble, das „Orchestra of Life“ einbezog und etliche Passagen durch den Einsatz anderer Instrumente bis hin zum programmierten Schlagzeug und zum Stimmeinsatz verfremdete.

Während einige Zuschauer bereits frühzeitig das Auditorium verließen, harrten alle Biebersteiner bis zum Ende aus und wurden mit einer wiederum sehr ungewöhnlichen Zugabe, einem irischen Volkslied belohnt. Dieser Abend sorgte für kontroverse Diskussionen, sowohl beim konservativen Frankfurter Publikum als auch bei den Biebersteiner SchülerInnen.

Wenige Tage später setzte Tony Osanah den Reigen fort, indem er mit einigen Schülern übers Wochenende nach Berlin reiste, um dort die Philharmonie zu besuchen. Auf dem Programm standen Peter Tschaikowsky mit der Symphonie Nr. 6 in h-Moll Op. 74 „Pathetique“ sowie das Klavierkonzert  in g-Moll Op. 33 von Antonin Dvorak. Es dirigierte Marek Janowski.

Tschaikowsky hat die Symphonie Nr. 6 in einer Zeit des Lebensüberdrusses geschrieben, was in der Grundstimmung, die über dem gesamten Werk liegt, zum Ausdruck kommt. Sie wird auch als das symphonische Testament bezeichnet.

Dieses Konzert ist auch insofern etwas Besonderes als es für „zwei rechte Hände“ geschrieben wurde. Beeindruckend für unsere Schüler war insbesondere das virtuose Spiel des chinesischen Gastpianisten Sunwook Kim. Der durchaus unpädagogische Kommentar des Lehrers: „Den Jungs fielen die Zähne raus!“

 Dr. Reiner Lange, Lehrer in Bieberstein

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