Neue Heimpatin für Bieberstein: Nina Dressen engagiert sich im Schulterschluss mit Jan Wolfrat für die Schülerschaft

„Bieberstein hat mein Leben und meine Schulkarriere sehr positiv beeinflusst. Zudem erhielt ich vor allem von den Lehrern Biebersteins Unterstützung, meinen Traum zu verwirklichen, ein „Young American“ zu werden und Gesang und Tanz in Los Angeles zu studieren. Die Lietz-Stiftung hat mir diesen Traum auch auf finanzieller Seite ermöglicht. Ausgehend davon sehe ich es nun als meine Aufgabe, mich im Altbürgerverein zu engagieren.

Durch mein Studium der Musikpädagogik und Erziehungswissenschaften in Gießen pflege ich auch heute noch einen engen Kontakt zu dem schönen Schloss in der Rhön. In meinem Praktikum auf Bieberstein konnte ich auch die „andere Seite“, und zwar die der Lehrerschaft kennenlernen und habe viele wertvolle, praktische Erfahrungen gesammelt. Auch aus wissenschaftlicher Sicht ist Lietz für mich von großer Bedeutung: Bachelorarbeit: „Der reformpädagogische Gedanke Lietz’s. Vergleich des Landerziehungsheimes Schloss Bieberstein 1914 und heute“, Masterthesisthema: „Kompetenzentwicklung im Lietz-Bildungsjahr“.

Als Biebersteins Heimpatin sehe ich meine Aufgaben darin, externe Ansprechpartnerin für Schülerinnen und Schüler zu sein und auch eine Art Verbindungsfunktion zwischen Schülerschaft, Lehrerschaft und Altbürgerverein zu erfüllen. Natürlich liegt es mir ebenso am Herzen, neue Mitglieder für den Altbürgerverein zu gewinnen, allerdings vorerst nicht aus finanzieller Sicht. Ich würde mir wünschen, dass die neuen Mitglieder von dem weitverbreiteten und stabilen Netz der Lietzer profitieren und somit vermehrt Chancen auf Praktikums- und Ausbildungsstellen haben oder jegliche weitere Unterstützung erfahren dürfen. Außerdem ist mir die Aufklärung über die Arbeit des Altbürgervereines wichtig und die Tatsachen, dass man nicht automatisch nach Abgang von der Schule im Verein ist sondern erst beitreten muss.“

Steckbrief:

Nina Dressen                        
Geboren am 13.03.1984 in München
Wohnhaft in Gießen
Schülerin von 2003 bis 2005 auf Schloss Bieberstein


Internat Hohenwehrda vergibt vielfältige Stipendien

Erstmals im Schuljahr 2014/15 vergibt das Team des Lietz-Internates Hohenwehrda vielfältige Stipendien für besondere Begabungen an Schülerinnen und Schüler der 5. bis 7. Klassen. Im Blickpunkt stehen dabei musische Stipendien: Das Internat Hohenwehrda setzt besondere Akzente in der Förderung musischer und kreativer Begabungen mit Chor- und Instrumentalausbildung und ebenso in der darstellenden Kunst mit Theater.

Gefördert werden ebenso sportliche Talente und Leistungsbegabungen im mathematisch-naturwissenschaftlichen oder sprachlichen Bereich. Auch Talente und Begabungen, die von Eltern erkannt, bisher jedoch nicht ausreichend unterstützt werden konnten, möchten die Pädagogen weiter zutage fördern. Anfragen zur Stipendienvergabe können jederzeit gestellt werden, Kinder der Klassen 5 bis 7 werden auch im Verlauf des Schuljahres 2014/15 aufgenommen. Weitere Informationen erhalten interessierte Eltern über das Internatssekretariat unter der Rufnummer 06673-92990.


Was macht eigentlich…?

Unsere Serie aus dem Magazin „Leben & Arbeit“ startet jetzt auch auf Facebook: Unter der Rubrik „Was macht eigentlich…?“ stellen wir Altbürger vor, die über Erinnerungen an die Schulzeit berichten, aber auch Einblicke in ihr jetziges Leben geben. Los geht es mit Claas H. Braitsch, 60 Jahre alt, Schüler von 1968 bis 1970 in Buchenau und von 1970 bis 1972 auf Spiekeroog.

Viel Spaß beim Lesen!

Welchen Berufswunsch hatten Sie zur Zeit Ihres Abschlusses auf dem Lietz-Internat und wo stehen Sie heute?
Kapitän auf Großer Fahrt / Unternehmer einer Spedition für Schiffsersatzteile.

Wer war damals ihr „bester Freund“ und haben Sie heute noch Kontakt? Leider keinen Namen und Kontakt mehr, wohl aber zum Hausmeister auf Spiekeroog Christian Krummreich, der aber schon lange verstorben ist, hatte ich lange zumindest Briefkontakt.

Welche Erfahrung während der Internatszeit ist Ihnen am stärksten in Erinnerung geblieben?
Die Filmabende, die Kapelle – wo ein Buch vorgelesen wurde oder live musiziert wurde, aber auch die Gilden: Buchenau Tischlerei – ich kann heute noch Stühle reparieren, auf Spiekeroog zunächst Segeln und später – siehe unten – Fahrzeug haben mir den Weg ins Leben vorbereitet.

Ist aus der Gildenzeit ein Hobby entstanden?
Hobby nicht, aber Beruf. Zuletzt auf Spiekeroog Fahrzeuggilde, es gab dort einen LKW und Unimog und ich habe da „Auto“ fahren gelernt und heute habe ich eine Spedition.

Welche Werte, die Ihnen in der Schulzeit vermittelt wurden, sind für Sie heute noch prägend?
Miteinander und nicht gegeneinander! Das habe ich besonders im Winter auf Spiekeroog gelernt und ist heute mein Leitmotto. Denn besonders in unserer heutigen schnellen Computerwelt (die einige gar nicht mehr aus der Hand legen können und glauben die kleinen „Glasplatten zum drauf rum wischen“ – Smartphones, sind das ein und alles und ohne die Dinger ginge die Welt unter) ist es mir besonders wichtig, zwischenmenschlichen Kontakt und ein Miteinander zu pflegen. Nur so funktioniert auch unser kleiner Betrieb, der täglich neue Herausforderungen bringt.


Abschied von einer schönen Schulzeit

Jutta Quabbe, Sabine Ick und Ina Freitag (v.l.)
Judith Albrecht und Axel Kochinki

Großer Bahnhof anlässlich der Schul-Abschlussveranstaltungen am Wochenende in Haubinda und Hohenwehrda: Zahlreiche Eltern, Freunde, Altbürger und selbstverständlich die Hauptpersonen, die Schülerinnen und Schüler, waren zu festlichen Kapellen und zur Übergabe ihrer Zeugnisse zusammengekommen, um gemeinsam Abschied zu nehmen.

Humorvoll, emotional und tiefgründig hatten sich insbesondere die Schulleiter Sabine Hasenjaeger und Burkhard Werner von ihren Schülern verabschiedet.

Mit fantasievollen bis extravaganten Garderoben zeigten sich viele der jungen Damen, schick im Anzug die Herren und in ebenfalls sehr emotionalen Ansprachen nahmen sie Abschied von ihren Kollegen und den Lehrern. Von den Altbürgern waren in Hohenwehrda Ina Freitag, Jutta Quabbe und Sabine Ick sowie vom Vorstand Ernst-Friedrich Kellner vertreten. In ihrer Ansprache hatte Ina Freitag Grüße des Vorsitzenden des Altbürgervereins Georg Schweizer und der Heimpatin Christine Jesumann überbracht und den Wunsch geäußert, dass die jetzt jungen Altbürger hoffentlich immer wieder einmal den Weg zurück in ihre Schulen finden und sich stets gerne an die Schulzeit erinnern werden. Ausgezeichnet von den Altbürgern wurden Ella Bonnländer und Florian Dabelow für die beste Jahresarbeit sowie Ture Schweisgut und Marvin Wehmeier für die beste Facharbeit. In Haubinda wurden die Altbürger von Judith Albrecht und Axel Kochinki vertreten, der in seiner Ansprache insbesondere die Bedeutung einer Mitgliedschaft im Altbürgerverein hervorhob.    


Abschlussfahrt zum Hessischen Rundfunk: PR-Gilde on Tour in Frankfurt

Spannend, vielfältig und abwechslungsreich, so beschrieben die Schüler von Hohenwehrda diesen Besuch, der sowohl die Teilnahme an einer YOU FM-Radio-Livesendung und ebenso einen Blick hinter die Fernsehkulissen beinhaltete.

Selbstverständlich wurden auch die vielen Ausbildungsberufe vorgestellt: von Tontechniker über KFZ-Mechatroniker bis hin zu Maskenbildner, Redakteur, Moderator oder Koch bietet der Hessische Rundfunk eine große Bandbreite an beruflichen Chancen. Im Anschluss an diesen Besuch waren die Jugendlichen zu einem Mittagessen im va piano eingeladen und ließen das erste Schuljahr in der PR-Gilde Revue passieren. „Es hat Spaß gemacht, wir haben die Altbürger viel besser kennengelernt und Kontakte geknüpft. Bei der Organisation zum Altbürgerfest auf Schloss Bieberstein mitzuwirken und eigene Ideen einbringen zu können, war klasse“, so lautete die einhellige Meinung. Da einige Schüler jetzt nach Bieberstein wechseln, wird die PR-Gilde dort auf jeden Fall eine Fortsetzung finden. 


Sie haben ihr Abi in der Tasche: Grußwort auch von Heimpate und Altbürger Jan Wolfrat

Lang, lang ist’s her und wir Altbürger erinnern uns alle gerne zurück… Auf Schloss Bieberstein war es jetzt auch wieder einmal soweit: 36 Schülerinnen und Schüler haben ihr Abitur in der Tasche und dies wurde einerseits feierlich und andererseits ausgelassen gefeiert. Nach dem Termin zum Gruppenbild und Sektempfang mit Eltern und Angehörigen folgte die traditionelle Kapelle, die Tony Osanah musikalisch gestaltet hatte.

Schulleiter Helmut Liersch eröffnete den Reigen der Redner und ließ das Schuljahr noch einmal Revue passieren. Während der Zeugnisausgabe sprachen die Heimfamilieneltern der Abiturienten Worte zum Werdegang ihres Familienkindes, die oft sehr persönlich ausfielen. Der feierlichen Verabschiedung folgten ein großes Festessen in der festlich dekorierten Sporthalle sowie eine ausgelassene Party im Schopp. Auch Jan Wolfrat gratulierte als Heimpate und Vertreter der Altbürger: „Viele Menschen sagen, dass mit dem Bestehen des Abiturs ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Meine Zeit als Lietzer liegt noch gar nicht einmal so lange zurück und dennoch erscheint es mir wie eine halbe Ewigkeit.“ Mit dem heutigen „gebührenden Abstand“ verdeutlichte Wolfrat, dass  nach dem Abitur die Zeit der eigenständigen Entscheidungen beginne, eine Zeit, selbst die Zukunft zu gestalten. 

„Manchmal ist das gar nicht so einfach, denn die Möglichkeiten sind unendlich und mehr als facettenreich. Egal, welchen Weg Ihr einschlagt, ob langsam gehen oder lieber rennen – alle finden ihren Weg, das ist sicher.“ Die Schule und insbesondere das Leben auf Bieberstein habe jeden Einzelnen in einem wichtigen Lebensabschnitt geprägt, Möglichkeiten eröffnet und auf unterschiedlichste Weise auf die Zukunft vorbereitet. „Und jetzt heisst es ‚Komm Abi, wir gehen‘!“


Tagung des Arbeitsausschusses in Hohenwehrda

Zu einer weiteren Sitzung hatte sich der Arbeitsausschuss der Altbürger gemeinsam mit Schülervertretern von Hohenwehrda und Bieberstein in Hohenwehrda getroffen. Begrüßt und begleitet wurden die Mitglieder von Georg Schaeffer, der durch den Tag führte und ebenfalls an der Sitzung teilgenommen hatte. Herzliche Grüße aus Berlin kamen von Schulleiterin Sabine Hasenjaeger, die zeitgleich den Euro-Internatstag begleitete.

Im Mittelpunkt der Sitzung stand zum einen das Resümee des Altbürgertreffens. Allgemeines Fazit: Eine positive Resonanz auf die unterschiedlichen Veranstaltungspunkte, auch die Aktivitäten der PR-Gilde aus Hohenwehrda waren gut angekommen. Anregung für das nächste Altbürgertreffen: Angebote für Kinder der Altbürger, Zusatzangebote neben den sportlichen Aktivitäten und ein „Begrüßungszelt“ als Alternative zu dem Standort „Torbogen“. Neben den Berichten von Vorstand Georg Schweizer und „Finanzchef“ Ralf Schilha wurde über verschiedene Anträge entschieden und über die weiteren Maßnahmen zur Mitgliedergewinnung von Altbürgern und den Status quo der online-Börse beraten. Bisher zeigt die online-Börse einen eher „handgestrickten“ Aufbau, großer Wunsch von Georg Schweizer, diesen zu professionalisieren – was bisher an den mangelnden Finanzen scheitert. Ideen und tatkräftige Unterstützung sind herzlich willkommen, wer das Knowhow und ein gewisses Zeitfenster zur Verfügung stellen könnte, sollte sich bitte umgehend gerne melden. Am Vorabend der Zusammenkunft hatten Heimpatin Christine Jesumann und Sabine Ick die Jugendlichen der Abschlussklassen über den Altbürgerverein und die Vorzüge einer Mitgliedschaft informiert.


Euro-Internatsberatung mit den Lietz-Internaten in ganz Deutschland

Zu ganz individuellen Beratungsgesprächen rund um das Leben auf einem Internat laden die Schulleiter der Hermann-Lietz-Schulen Interessierte ein. Schauen Sie doch einmal vorbei! 

Beratungstage für Internate in Deutschland und im englischsprachigen Ausland:

Berlin, Samstag, 21. Juni 2014, 11:00 - 16:00 Uhr  
Kempinski Hotel Bristol
Kurfürstendamm 27, 10719 Berlin


Hamburg, 
Sonntag, 22. Juni 2014   11:00 - 16:00 Uhr
Grand Elysée Hotel
Rothenbaumchaussee 10, 20148 Hamburg

Essen, Freitag, 27. Juni 2014   15:00 - 19:00 Uhr
Welcome Hotel Essen
Schützenbahn 58, 45127 Essen

Köln, Samstag, 28. Juni 2014   11:00 - 16:00 Uhr
Excelsior Hotel Ernst
Domplatz/Trankgasse 1-5, 50667 Köln

Düsseldorf, Sonntag, 29. Juni 2014   11:00 - 16:00 Uhr
Hyatt Regency Düsseldorf
Speditionsstr. 19, 40221 Düsseldorf

Weitere Termine sowie Informationen zur Euro-Internatsberatung finden Sie hier


Vielfältige Aktivitäten auf Haubinda

Die letzten Wochen des Schuljahres werden sicherlich nicht nur wegen der Pfingsthitze durch Schweiß geprägt sein, sondern auch, weil den Bewohnern des Internatsdorfs Haubinda noch einige Höhenpunkte bevorstehen. Mit viel Schweiß bereiten sich derzeit die rund 100 Schülerinnen und Schüler der Abschlussklasse 9H, 10 und 12 auf die bevorstehenden Prüfungen vor.

Die Darsteller des künstlerischen Bereichs lernen im Schweiße ihres Angesichts nicht nur die Texte ihrer Stücke zum Abschluss des Schuljahres, sondern auch Tanzschritte oder Gesangseinlagen. So freuen wir uns, zu folgenden Aufführungen viele Gäste begrüßen zu dürfen:

Freitag, 13. Juni, 14.30 Uhr "The cat in the hat" - Klasse 8c
Samstag, 28. Juni 20.00 Uhr "Tanz der Vampire" - Das selbstgeschriebene Musicalevent der Klasse 9c
Mittwoch, 04. Juli 19.30 Uhr "Oscar legt ein Ei - Eine Fabel der Klasse 7c

Neue Tanzschritte sind auch zum Abschlussball des Tanzkurses am Samstag, 14. Juni ab 18 Uhr in der Kapelle zu bewundern. Musikalisch geht es dann am Mittwoch, 18. Juni ab 18 Uhr in der Kirche zu Westhausen weiter. Alle, die das Chorkonzert der Chöre der Klassen 1-12 zum Schulfest nicht besuchen konnten, sind zu diesem Wiederholungstermin ganz herzlich eingeladen.


HAPPY BIRTHDAY, MR. BERTELSMANN!

Ein genialer Künstler, ein besonderer Pädagoge und Mensch feiert heute Geburtstag: Happy birthday, Mr. Bertelsmann!

Zum 90. Geburtstag gratulieren wir Lietzer alle ganz, ganz herzlich.

Viele von uns haben ihn erlebt als immer freundlichen, zurückhaltenden Menschen, der auf ruhige und besondere Weise uns Schülern in Bieberstein über viele Jahre Kunst näher brachte. Wer sich bisher nicht für Kunst im Allgemeinen und Malerei im Speziellen interessiert hatte, der wurde durch seinen Unterricht "erweckt". Vielen Dank für besondere künstlerische Erfahrungen und tiefgründige Begegnungen. 


Reformpädagogik: Sich selbst entdecken und Kooperationen lernen

Pädagogik ist aus eigenem Anspruch immer dabei, ihre eigene Theorie und Praxis zu reformieren. Insofern wird der hier verwendete Begriff Reformpädagogik auch als ein Epochenbegriff verwendet. Im Folgenden wird lediglich der historische Abriss von einigen wichtigen Vorstellungen und ihrer Vordenker und Praktiker vorgestellt.

Was bedeutet der Begriff „Reformpädagogik“?

Der Begriff „Reformpädagogik“ bezeichnet keine eigenständige pädagogische Theorie sondern bündelt eine ganze Reihe unterschiedlicher pädagogischer „Visionen“ und konkreter schulpraktischer Konzepte, die im Wesentlichen ein gemeinsames Merkmal haben: Vorrangiges Kriterium bei allen pädagogischen Entscheidungen soll die Frage sein: Was braucht das jeweilige einzelne Kind für seine eigene optimale Entwicklung? Gemeinsam war allen Ansätzen, dass sie den natürlichen Tätigkeitsimpulsen von Kindern (oder das, was sie für natürlich hielten) ganz konkret Zeit und Raum geben wollten. Alle anderen Fragen - z.B. nach der Organisation der Schule nach der Erfüllung von Lehrplänen, nach Formen der Leistungsbewertung - sind dieser Frage nachgeordnet.

Was gab den Anstoß für die reformpädagogische „Bewegung“?

Die Lebensumstände um 1900 waren geprägt durch massive Umbrüche, die die Wellen der Industrialisierung in Europa ausgelöst hatten. Aus Sicht ihrer Kritiker beschränkten sich die staatlichen Schulen in überfüllten Klassenräumen mit schlecht bezahlten und schlecht ausgebildeten Lehrern auf bloße Verwahrung und einem ausschließlich an der „Stoff-Vermittlung“ orientierten Unterrichtsverständnis. Zugleich waren die Rahmenbedingungen für das Aufwachsen von Kindern in den sich rapide vergrößernden Städten alles andere als zuträglich. Auf diesem Hintergrund waren die verschiedenen pädagogischen Neugründungen zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts geeint in dem Versuch, sich Fehlentwicklungen des ökonomischen und gesellschaftlichen Umbruchs entgegen zu stellen. Bemerkenswert ist, dass sich zur gleichen Zeit in anderen europäischen Ländern und den USA analoge Initiativen entwickelten, die sich im Laufe der Jahre untereinander vernetzten, sodass man mit Recht von einer internationalen Bewegung sprechen kann.

Exemplarisch wird im Folgenden eine Auswahl wichtiger Repräsentanten vorgestellt:

Hermann Lietz verwirklichte in seinen Landerziehungsheimen die Utopie einer Verbindung von Leben und Arbeiten nach englischem Vorbild: Fern von der Erfahrungsenge und den Gefährdungen der Großstadt ist „Erziehung“ des ganzen Menschen auf dem „Land“ ein echtes Lernen mit Kopf, Herz und Hand möglich und zwar in einem Internat, das mit familienähnlichen Strukturen den Kindern ein zweites „Heim“ gibt. Paul Geheeb verband ab 1910 in der Odenwaldschule das Internatskonzept von Lietz mit dem Modell einer echten Gesamtschule von Klasse 1 bis 13. Kurt Hahn entwickelte - wiederum 10 Jahre später - an der Schule Schloss Salem die Grundzüge der Erlebnispädagogik. Rudolph Steiner gab in der Waldorfschule auf dem Fundament seiner anthroposophischen Weltsicht einer ganzheitlichen Bildung der Persönlichkeit ein besonderes Gesicht. Peter Petersen entwickelte mit dem Jena-Plan das Konzept des jahrgangsübergreifenden Unterrichts, weil ihm deutlich wurde, dass das Jahrgangsstufenkonzept den unterschiedlichen Entwicklungsgeschwindigkeiten der einzelnen Kinder niemals gerecht werden kann. Maria Montessori prägte den Begriff der „vorbereiteten Umgebung“, für deren Gestaltung der Lehrer die Verantwortung hat, in der dem Schüler selbst aber die Verantwortung für sein Lernen konsequent zurückgegeben wird. „Hilf mir es selbst zu tun!“ lautet ihr Schlüssel zur Charakterisierung der Beziehung des Schülers zum Lehrer. Georg Kerschensteiner plädierte für das praktisch werkende Tun und schätzte es als erzieherisch zentral für die Heranbildung des zukünftigen Staatsbürgers. John Dewey, amerikanischer Philosoph und Pädagoge, prägte die Formel „Learning by doing“. Lernen muss ganz und gar auf Erfahrung aufgebaut sein. Kinder lernen am besten experimentierend - in einer Lernumwelt aus Materialien, Werkstätten, Bibliothek und Schulgarten.

So können sie die Realität und sich selbst entdecken und Kooperation lernen. Dem Lehrer kommt dabei nicht die Rolle des Wissenden und Bevormundenden zu, sondern die eines „Mitarbeiters“. Denn Erziehung ist Erziehung zur Selbstbestimmung und als solche Bestandteil einer demokratischen Erziehung. Anders als bei Lietz, Montessori und Steiner ist Dewey ein Repräsentant einer dezidiert politischen Ausrichtung der Reformpädagogik. In Frankreich wird Celestin Freinet als Zweig der Reformpädagogik assoziiert mit der pädagogischen „Druckwerkstatt“. Sie war für ihn aber weit mehr als technisches Hilfsmittel zum Erlernen des Umgangs mit Schrift und Sprache: Sie steht exemplarisch für ein Werkzeug der politischen Meinungsäußerung, mit der die Schüler im Zuge einer demokratischen Erziehung durch praktische Benutzung vertraut gemacht werden. 

Keine der vor rund hundert Jahren gegründeten Einrichtungen arbeitet noch eins zu eins so wie ihre Gründer ihre Schulen geplant hatten. Alle haben sich mehr oder weniger stark verändert, angepasst, weiterentwickelt. Aber sie sind gleichwohl wesentlichen ihrer jeweils tragenden Prinzipien treu geblieben.

gekürzt, ergänzt und bearbeitet von Klaus Gabrian, Archiv der Hermann Lietz-Schulen, Schloss Bieberstein Sept. 2011


Großes Festprogramm für Schulgemeinde und Ehemalige auf Schloss Bieberstein

Mit einem großen Fest, das gemeinsam von Schülern, Kollegium, Mitarbeitern und den Ehemaligen, den so genannten „Altbürgern“, gestaltet wurde, endete die Jubiläumswoche auf Schloss Bieberstein: Vor 300 Jahren wurde das Barockschloss gebaut, seit 110 Jahren ist die Hermann-Lietz-Schule in den historischen Gemäuern beheimatet.

Gäste und Schüler nutzten die Festwoche, um unter anderem einen internationalen Tag zu feiern, anlässlich eines „Tages der offenen Tür“ die Räumlichkeiten des Internats zu besichtigen, in die Töpfergilde und Goldschmiede hineinzuschauen, Fußball oder Golf zu spielen. Eingeweiht wurde der Beach-Volleyballplatz und in der „Teestube“ trafen sich Ehemalige gemeinsam mit vielen der aktuell 125 Schüler, um sich über die Schulzeit damals und heute auszutauschen. Besonderer Höhepunkt bildete das Entzünden des traditionellen Lietz-Feuers, dem alle Gäste und Bewohner von Bieberstein beiwohnten. Ausklang bildete ein großer Brunch und ein gleichermaßen kurzweiliger wie aufschlussreicher Vortrag über das Bildungsjahr auf Bieberstein, das deutschlandweit einmalig ist und den Übergang von G9 auf G8 erleichtert.


Dringend Spenden benötigt

Als „Urgestein“ der segelnden Lietz-Gemeinde Spiekeroog ist das Segelschiff „Albatros“ mittlerweile etwas in die Jahre gekommen. Während in früheren Zeiten die Segelausbildung auf der Albatros betrieben wurde, lernen nun die Schüler verstärkt die Faszination des Tourensegelns und die Spannung der Wattenregatten kennen. Allerdings sind in den zurückliegenden Jahren immer wieder Schweißarbeiten notwendig gewesen und langsam übersteigt der Bedarf die „Bordmittel“.

Bedingt durch die Konstruktion dringt Salzwasser ins Boot und die Bodenbleche werden dünner bis löchrig. Um weiterhin das Lernen auf dem Segelschiff zu ermöglichen und das Schiff zu reaktivieren, werden dringend Spenden benötigt. Die geschätzten Kosten liegen zwischen 3000 und 5000 Euro. Unter dem Stichwort „Albatros“ freut sich das Team von Spiekeroog über jede Spende auf folgendes Konto:

Altbürgerverein
Commerzbank Fulda
BIC: DRES DE FF 530
IBAN: DE 315308 0030 0790 5129 00


Intensivierung der Kontakte zwischen Altbürgern und Schülern

Um den Kontakt zwischen Altbürgern und Schülern zu intensivieren, werden ab sofort die Schüler der PR-Gilde auf Hohenwehrda aktiv mit einbezogen: In theoretischen und ganz praktischen Unterrichtsstunden soll gemeinsam ein Konzept erarbeitet werden. Nach der Teilnahme an einer Vorstandssitzung des Altbürgervereins durften die Jugendlichen einige Stunden in einem professionellen Fotostudio verbringen und Wissenswertes sowie Tipps und Tricks rund um die Fotografie erlernen.  


Zertifikate im Internat

  • Delf Zertifikat
  • Cambridge Zertifikat
  • Dele Zertifikat
  • Zertifikat britische HK

Unsere drei Internate bereiten auf eine Reihe von weltweit anerkannten Prüfungen vor und nehmen sie oft vor Ort ab. Die Schüler werden auf alle Prüfungen der University of Cambridge vorbereitet. Die Hermann Lietz-Schulen sind offiziell anerkannte Prüfungspartner der University of Cambridge für die Basisdiplome General English und die Business English Certificates (BEC). In den Sprachen englisch, französisch, spanisch und italienisch können die Internatsschüler die europäischen Sprachenzertifikate in unseren Internaten erwerben.

* Alle obengenannten Zertifikate sind international anerkannt.